Gleichzeitige Verurteilung für die gleiche Handlung möglich

Gegen eine Gesellschaft, deren Geschäftstätigkeit in der Eintreibung von Außenständen bestand, war zusammen mit ihren beiden Geschäftsführern Strafanzeige erhoben worden. Es wurde ihnen vorgeworfen, die einkassierten Beträge einbehalten und nicht an die betroffenen Gläubiger weitergeleitet zu haben.

Das Berufungsgericht lehnte die strafrechtliche Verurteilung der Geschäftsführer mit der Begründung ab, nur die Gesellschaft wäre Täter einer Unterschlagung gewesen.

Das angerufene Kassationsgericht, Urteil vom 29. Juni 2016, berichtigte die obige Entscheidung: Zunächst wies es darauf hin, dass laut Strafgesetzbuch („Code Pénal Art 121-2“) die strafrechtliche Verantwortung von juristischen Personen nicht die von natürlichen Personen, wenn sie dieselbe Handlung betrifft, ausschließt. Im vorliegenden Fall sei die natürliche Person, soweit sie als Organ oder Vertreter einer juristischen Person handelte, für die strafwürdigen Handlungen der juristischen Person ebenfalls strafrechtlich zu verurteilen gewesen.