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Rückstellungsbildung für die Abschlussprüfungskosten

Jun 2, 2022 | DiagnosticNews, Steuerrecht

Steuerliche Abzugsfähigkeit wird in Frage gestellt

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Montreuil vom 2. Dezember 2021, die die steuerliche Abzugsfähigkeit von Rückstellungen für die Abschlussprüferhonorare in Frage stellte, veranlasst zu einer grundsätzlichen Untersuchung dieser Problematik.

Es ist daran zu erinnern, dass eine Rückstellung im Jahresabschluss ganz generell dann zu bilden ist, wenn für die Durchführung des zurückgestellten Vorganges zu diesem Zeitpunkt:

eine Verpflichtung besteht

es zumindest wahrscheinlich oder auch sicher ist, dass die Durchführung der Verpflichtung zu einem Abfluss zugunsten eines Dritten führt

und der Mittelabfluss ohne Gegenleistung erfolgt.

Auf die Abschlussprüfung bezogen heißt das: Es besteht zum Bilanzstichtag für bestimmte Gesellschaften die Verpflichtung, einen Abschlussprüfer für die Prüfung des Jahresabschlusses zu benennen. Strittig ist jedoch, ob die Mittelabflüsse (Honorare), die aus der obigen Verpflichtung resultieren, einer Gegenleistung für das Unternehmen entsprechen. 

Es stellt sich also die entscheidende Frage, ob das Unternehmen für die betroffenen Honorare mit einer Gegenleistung rechnen kann oder nicht. 

Soweit davon ausgegangen werden kann, dass für die Honorare für zum Bilanzstichtag noch nicht ausgeführte Arbeiten und damit für Dienstleistungen, die erst im nächsten Jahr erbracht werden, eine Gegenleistung zu erwarten ist, ist die Möglichkeit der Bildung einer Rückstellung ausgeschlossen. 

Folgt man jedoch der allgemein vertretenen Ansicht, die Dienstleistungen des Abschlussprüfers im kommenden Jahr stellen keine Gegenleistung für das Unternehmen dar, weil sie für die zukünftigen Aktivitäten des Unternehmens keinen Nutzen, insbesondere keinen wirtschaftlichen Vorteil bringen, so ist eine Rückstellungsbildung geboten, und zwar in voller Höhe des Honorars. 

In der Praxis wird generell von einer Rückstellungsbildungsmöglichkeit ausgegangen, die auch von der Finanzverwaltung bisher nicht angezweifelt wurde. 

Das Verwaltungsgericht Montreuil hat nunmehr erstmalig die steuerliche Abzugsfähigkeit in Frage gestellt. Es ist abzuwarten, ob hieraus eine generelle Kehrtwende, insbesondre hinsichtlich der steuerlichen Behandlung eingeleitet wird. Darüber hinaus wäre es begrüßenswert, wenn die Normenkontrollbehörde („ANC“) zu der bestehenden Problematik eine grundsätzliche Stellungnahme abgäbe. 

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