Gefährdung der Mitarbeiter

Rechtfertigung für Entlassung

Folgender Sachverhalt lag der Entscheidung des Kassationsgerichts vom 23. Oktober 2019 zugrunde: Ein Manager organisierte zusammen mit einem externen Berater ein „Teambuildingprogramm“, das den Zusammenhalt einer aus leitenden Mitarbeitern bestehenden Gruppe stärken sollte. Dabei bestand eine der gestellten Aufgaben darin, eine in ein Handtuch gewickelte Glasflasche mit einem Hammer zu zertrümmern, die Glasscherben auf einem Tuch auszubreiten und die Teammitglieder mit nackten Füssen darüber laufen zu lassen. Eines der Gruppenmitglieder verweigerte diese Übung und musste den Grund dafür vor allen Teilnehmern bekannt geben. Dazu gab er an, dass er unter einer bestimmten Krankheit leiden würde. Unter Tränen verließ er daraufhin den Übungsraum. Anschließend informierte er sowohl den Dienstarzt als auch den Personalchef über den Vorfall. 

Der Manager wurde nach Durchführung einer Untersuchung des Vorfalls wegen schwerer Verfehlungen entlassen. Die Rechtmäßigkeit der Kündigung wurde von Gerichtswegen bestätigt. 

Laut Gerichtsurteil hätte der Manager in Anbetracht der Besonderheit der durchgeführten „Teamübung“ und insbesondere auch wegen der krankheitsbedingten Verweigerung des Mitarbeiters die Weiterführung des Programms sofort abbrechen müssen. Laut Arbeitsrecht ist er nämlich verpflichtet, die Gesundheit und die Sicherheit seiner Untergebenen keiner Gefährdung auszusetzen. Sein Verhalten war damit rechtswidrig.

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Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von COFFRA. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er COFFRA. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die COFFRA heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.