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Französische Buchhaltungsprinzipien sind von den Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen einzuhalten

Jun 2, 2022 | DiagnosticNews, Steuerrecht

Für steuerliche Belange gelten die gleichen Vorschriften

Viele ausländische Gruppen fordern von ihren französischen Töchtern, ihre Buchhaltung und ihre Jahresabschlüsse nach den Bedürfnissen der Muttergesellschaft einzurichten bzw. zu erstellen. Dies ist grundsätzlich möglich, setzt jedoch u.a. voraus, dass die hiesigen Rechnungslegungsvorschriften eingehalten werden. Eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bordeaux vom 16. November 2021 erinnerte in diesem Zusammenhang an die steuerlichen Anforderungen zu diesem Problemkreis. 

Zunächst einige grundsätzliche Voraussetzungen:

  • Die Buchhaltung ist in französischer Sprache zu führen und muss dem französischen Regelwerk hierzu entsprechen. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass der rigide, allgemein verbindliche französische Kontenplan zur Anwendung kommt. Daraus folgt, dass bei der Kontierung für jeden Buchungssatz eine Kontonummer aus dem französischen Kontenplan anzuwenden ist. Dies schließt nicht aus, dass – um den Bedürfnissen der ausländischen Gruppe Rechnung zu tragen
  • jeder Buchungsvorgang in mehrere Elemente aufgeteilt werden kann, die verschiedenen ausländischen Konten zugeteilt werden. Dabei muss aus dem Buchungsausweis klar hervorgehen, dass es sich um den gleichen Vorgang handelt. 
  • Die französischen Buchhaltungs- und Buchungsregeln müssen eingehalten werden. Dadurch wird aber die Aufnahme weiterer spezifischer Buchungen im Interesse der ausländischen Obergesellschaft nicht ausgeschlossen. Diese müssen aber zum Jahresende wieder storniert werden.
  • Die französische Buchhaltung muss authentisch, d.h. beweiskräftig sein – ansonsten besteht die Gefahr, dass sie von der Finanzverwaltung verworfen wird (wie im obenstehenden Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bordeaux – die Buchhaltung war in englischer Sprache und nach amerikanischen Rechnungslegungsprinzipien geführt worden).
  • Die Buchungsvorgänge müssen täglich erfasst werden; es muss ein Hauptjournal, soweit erforderlich entsprechende Nebenjournale und eine Saldenübersicht zur Ermittlung des Jahresabschlusses vorliegen.
  • Die elektronische Bereitstellung der Gesamtbuchungsdatei des Unternehmens („FEC“), in dem jeder einzelne Buchungssatz erfasst ist und die Einhaltung des obligatorischen Kontenplans sowie der bestehenden Rechnungsvorschriften nachgewiesen wird, muss gewährleistet sein. 

Für die Praxis ist festzuhalten, dass die Buchhaltung einer französischen Gesellschaft ganz generell nach den Grundprinzipien eines ausländischen Rechnungslegungssystems geführt werden kann. Die französische Buchhaltung muss jedoch durch entsprechende Einstellungen der Buchhaltungssoftware so organisiert sein, dass sie in der Lage ist, den oben erwähnten „FEC“, der bei jeder Betriebsprüfung als erstes von der Finanzverwaltung angefordert wird, zu erstellen. Des Weiteren ist es äußerst wichtig, dass die Buchhaltung von der Finanzverwaltung als beweiskräftig anerkannt wird. Dies kann durch die Einführung eines doppelten Kontenplans, in dem die Zuordnung des französischen Kontos zu dem entsprechenden ausländischen Konto und umgekehrt nachgewiesen wird, geschehen. 

Soweit die bestehende Buchhaltung als nicht konform mit den bestehenden Prinzipien angesehen wird, ergeben sich für das Unternehmen erhebliche Risiken, und zwar in steuerlicher Sicht:

die Verweigerung der Abzugsfähigkeit von bestimmten Aufwendungen

eine Steuerstrafe von mindestens 5.000 € 

und in handelsrechtlicher Sicht:

  • die Verweigerung im Falle eines Rechtsstreits, sich auf die Buchhaltung berufen zu können
  • eine Verurteilung im Falle eines Konkurses wegen betrügerischen Bankrotts aufgrund einer fehlerhaften oder falschen Buchhaltungsführung.

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