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Exklusives Interview mit der deutschen Botschafterin in Paris

Jun 25, 2015 | COFFRA News

Botschafterin Dr. Susanne Wasum-Rainer wechselt nach Rom und berichtet über ihre dreijährige Amtszeit in Paris

Dr. Susanne Wasum-Rainer (58) wird ab August 2015 Leiterin der Deutschen Botschaft in Rom. Ihren Posten in Paris übernimmt Dr. Nikolaus Meyer-Landrut (55), der seit Februar 2011 die Abteilung für Europapolitik im Bundeskanzleramt leitet und damit engster Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Europafragen ist.

Kurz vor ihrem Amtswechsel liefert uns die promovierte Juristin und erste Frau an der Spitze der Pariser Botschaft, ihre Eindrücke und Erfahrungen ihrer dreijährigen Amtszeit in einem Exklusiv-Interview:

Frau Botschafterin, Sie haben vor Ihrem Amtsantritt noch nicht in Frankreich gelebt. Gab es etwas, was Sie an der französischen Mentalität überrascht hat oder mit dem Sie nicht gerechnet hätten?

Mich hat überrascht und bewegt zu sehen, wie tief die deutsch-französische Freundschaft in Frankreich verankert ist. Ich habe dies gespürt bei den großen Gedenkfeiern, die der französische Staat zum Gedenken an den 100.Jahrestag des Beginns des Großen Krieges, des 1. Weltkrieges, und zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg durchgeführt hat. Frankreich hat Deutschland eingeladen, die Erinnerung an die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich im August 1914 oder die Erinnerung an das furchtbare Massaker von Oradour-sur-Glane gemeinsam, Seite an Seite und in überwältigender Freundschaft zu begehen. Die gegenseitige Zuwendung und Solidarität der Gesellschaften unserer beiden Länder war auch nach den Anschlägen in Paris vom Januar 2015 und dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs in den französischen Alpen im März 2015 unbeschreiblich.

Gab es während Ihrer dreijährigen Amtszeit ein für Sie einschneidendes Erlebnis, bei dem ,,typisch deutsche‘‘ und ,,typisch französische” Herangehensweisen, Verhaltensweisen oder gesetzliche Vorschriften zu Konflikten geführt haben?

Es gab regelmäßig Situationen, in denen Frankreich und Deutschland ganz unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, wie Lösungen für Probleme entwickelt werden könnten. Dies erklärt sich mit den zum Teil sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Traditionen unserer beiden Länder. Aber es gab keine Konflikte, sondern Gespräche und gegenseitige Besuche mit dem Ziel, die beste Lösung, den haltbarsten Kompromiss zu finden. Der Elysée-Vertrag von 1963 ist dafür eine exzellente Grundlage, denn er hat uns die Methodik gezeigt, die hier anzuwenden ist: Gespräche unter Freunden im konstruktiven Geist.

Wie können die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich Ihrer Meinung nach am besten genutzt werden? Wie können sie sich ergänzen?

Ich habe in den Jahren meiner deutsch-französischen Arbeit in Paris gesehen, dass die Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern in Wahrheit ein großer Trumpf sind. Wir unterscheiden uns, aber wir sind komplementär und unsere Unterschiede sind bestens geeignet, Synergien zu erzeugen, vor allem mit Blick auf unsere europäischen Ziele. Haben sich Deutschland und Frankreich zu einer schwierigen Frage erst einmal zusammengerauft, bilden diese Kompromisse eine gute Basis für die weiteren Gespräche mit unsereren Partnern in Europa.

Sie haben Ihr Amt angetreten, als die Gedenkfeiern zum 50-jährigen Jubiläum des Elysée-Vertrages stattfanden. Haben sie eine deutsch-französische ,,Vision‘‘ für die kommenden Jahrzehnte?

Frankreich und Deutschland wollen gemeinsam die Europäische Union und die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion stärken. Beide Länder sind davon überzeugt, dass Europa eine Lösung unserer Probleme bietet und dass es in einer globalisierten Welt für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union keinen besseren Weg gibt, als im Verbund mit den Partnern. Darauf wollen wir gemeinsam hin arbeiten, mit kleinen Schritten zwar, aber konstant und konsequent.

Damit Frankreich und Deutschland auch zukünftig gemeinsam ein starker Motor in und für Europa sein können, müssen wir auch für die Zukunft eine deutsch-französische Verständigung sicherstellen. Verständigung kommt von „verstehen“. Und „verstehen“ geht auch über Sprache. Wir sollten uns zukünftig noch stärker für das Erlernen der jeweiligen Partnersprache in Deutschland und Frankreich einsetzen.

Möchten Sie uns eine Anekdote berichten? Haben Sie während Ihrer Amtszeit einen besonderen Ort in Paris oder in Frankreich besonders schätzen gelernt? Sind Sie immer noch Vegetarierin?

Ich hatte das Privileg als Botschafterin für Paris ausgewählt worden zu sein, obgleich ich damals keine Expertin des deutsch-französischen Verhältnisses war. Aber vom ersten Tag an hat mich diese Aufgabe beruflich und persönlich begeistert und ich bin zutiefst dankbar für die Erfahrung dieses Postens. Mein sichtbarster und hoffentlich am längsten bleibender Erfolg ist der wunderbare Baum, den ich im Garten des Palais Beauharnais vor zwei Jahren gepflanzt habe und der für mich der schönste aller Pariser Bäume ist, wenn er am Spätnachmittag für einige Minuten in dem Sonnenstrahl steht, der zwischen den Nachbarhäusern noch einmal in den Garten gelassen wird, bevor es dann dunkel wird. Vegetarierin bin ich immer noch und nach der großartigen vegetarischen Küche, die mir Frankreich geboten hat, mehr als je zuvor.

Foto © 2015: Frédéric Brunet/Deutsche Botschaft

 

 

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