Diagnostic News

Erfolg in Frankreich –
Informationen aus dem
französischen Wirtschaftsleben

Informiert jeden Monat aktuell.

  1. Home
  2.  | 
  3. DiagnosticNews
  4.  | Editorial – Überraschend starkes Wachstum in Frankreich

Diagnostic News

Editorial – Überraschend starkes Wachstum in Frankreich

Mai 10, 2015 | DiagnosticNews, Editorial

Lieber Leser,

Frankreich hat im ersten Quartal 2015 mit einem Anstieg des BIP von 0,6% einen mächtigen Sprung nach vorne gemacht. Damit gehört es im Augenblick zu den Klassenbesten in Europa, vor Großbritannien und Deutschland. Nach einem Wachstum von gerade einmal 0,2% für das gesamte Jahr 2014 stellt dies eine sehr ermutigende Nachricht dar. Das von der Regierung angekündigte Wachstumsziel von 1% für 2015 dürfte damit – laut Finanzminister Michel Sapin – gesichert sein und eine Untergrenze darstellen. Die starke Erholung resultiert wieder einmal in erster Linie aus dem Privatkonsum. Hier halfen insbesondere die reduzierten Benzinkosten, Mittel für andere Ausgaben freizustellen, wobei für Käufe von Industriegütern sogar Zuwächse von 1,3% in den ersten drei Monaten von 2015 zu verzeichnen waren.

Aber noch ist es nur ein Anstieg für drei Monate und die Nachhaltigkeit für das gesamte Jahr keineswegs abgesichert. Die Investitionen der Unternehmen sind weiterhin sehr verhalten. Im ersten Quartal 2015 war nur ein positives Volumen von 0,2% zu verzeichnen. Hier ist besonders auf die äußerst geringe Aktivität in der Bauwirtschaft hinzuweisen. 13.500 Arbeitsstellen wurden in dieser Periode abgebaut.

Auch die Importe stiegen wieder schneller als die Exporte und erhöhten das chronische Handelsbilanzdefizit. Wieder einmal wird damit die strukturelle Schwäche der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Industrie verdeutlicht. Auch der großzügige Steuerkredit („CICE“), der seit 2013 gilt und über vier Jahre insgesamt 20 Mrd.€ an die Unternehmen zurückgibt, hat daran bisher nur wenig geändert. Statt die Beträge als wettbewerbsfördernde, lohnkostensenkende Maßnahme einzusetzen, wurden sie oft gerade anders als geplant für Lohnerhöhungen benutzt. Zumindest die Kaufkraft der Arbeitnehmer wurde damit erhöht bzw. aufrechterhalten und – wie oben beschrieben – so der Konsum angeregt.

Aber vielleicht bringt ja die seit 15. April 2015 für ein Jahr geltende „Mehrabschreibungsmöglichkeit“ (40%) auf bestimmte Produktionseinrichtungen die gewünschte Initialzündung. Die Schwäche des derzeitigen Wachstums besteht leider auch darin, dass es zu einem Großteil auf von außen kommenden, nicht beeinflussbaren Elementen wie z.B. dem Dollaranstieg und dem starken Rückgang des Ölpreises beruht. Für beide Effekte sind jedoch in den letzten Wochen nicht unerheblich rückläufige Tendenzen festzustellen.

Positive Auswirkungen – wenn auch nur psychologischer Art – dürften sich jedoch aus den zustimmenden Äußerungen von Brüssel ergeben. Die letzten französischen Vorschläge wurden nun akzeptiert und das für 2015 und 2016 vorgelegte Sparprogramm ohne Änderungsanweisungen genehmigt. Die französische Regierung kann nun, ohne Befürchtung an den Pranger gestellt zu werden, seine lange Reformliste systematisch abarbeiten. Bleibt nur zu hoffen, dass keine unerwarteten wirtschaftlichen Katastrophen weder in Europa noch in der übrigen Welt die aufgenommene Fahrt stoppen.

Wir werden weiter berichten.

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Diagnostic News nach Themen sortiert:


Für Sie nach speziellen Steuer- und Rechtsthemen sortiert:

Diagnostic News Archiv


Alle Ausgaben von Diagnostic News zum Download als PDF