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Editorial – Der steuerliche Zickzackkurs

Okt 15, 2013 | DiagnosticNews, Editorial

Die von der Regierung im August 2013 angekündigte Steuerpause dauerte nicht lange. Durch die im September und Oktober diskutierten und inzwischen veranlassten Maßnahmen gehört sie bereits wieder der Vergangenheit an.

Die „genialen“ Theoretiker der französischen Finanzverwaltung hatten sich für einige Wochen eine neue Steuer ausgedacht. Als Berechnungsgrundlage sollte der Bruttoüberschuss des Betriebsergebnisses („excédent brut d’exploitation“ – „EBE“) besteuert werden. Danach wäre das Betriebsergebnis der Unternehmen, vor Berücksichtigung von Abschreibungen, herangezogen worden. Ein von den Unternehmen und deren Vertretungen (insbesondere des französischen Arbeitgeberverbandes, „MEDEF“) ausgelöster Sturm der Entrüstung zwang die Regierung zur Änderung der Gesetzesvorlage. Nunmehr sollte nur noch der Nettoüberschuss („excédent net d’exploitation“ – „ENE“) besteuert werden.

Es lag auf der Hand, dass auch diese modifizierte Steuer wirtschaftlich nicht vertretbar war. Ein Aufatmen war deshalb in den Unternehmerkreisen festzustellen, als der Finanzminister, im Rahmen der parlamentarischen Budgetberatungen, die noch nicht definitiv eingeführte Steuer wieder zurücknahm.

Aber die Freude hielt nicht lange an. Es musste ja ein Ersatz für die erhofften Einnahmen (2,5. Mrd €) gefunden werden. Dies geschah nun „völlig unerwartet“ durch die nochmalige Erhöhung der bereits im Vorjahr eingeführten Zusatzsteuer auf die geltende Körperschaftsteuer um weitere sechs Punkte auf 11%. Der neue Höchstkörperschaftsteuersatz liegt damit bei 38,3% – Frankreich ist damit einsamer Spitzenreiter in Europa.

Als schwacher Trost bleibt, dass diese Zusatzsteuer nur für größere Unternehmen mit mehr als 250 Mio. € Umsatz gilt und „derzeitig“ auf zwei Jahre begrenzt ist.

Es bleibt nun der Regierung zu wünschen, dass die wirtschaftlichen Ergebnisse der Unternehmen tatsächlich auch die erhofften Steuereinnahmen erbringen. Laut Presseberichten entfallen 40% der Zusatzsteuer auf die Banken- und Versicherungsbranche.

Es bleibt spannend in Frankreich.

Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre und einige Anregungen für Ihr Tagesgeschäft.

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr

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