Lieber Leser,

die Vorzeichen für den amtierenden französischen Präsidenten standen schon lange nicht mehr so günstig wie im Augenblick. Die Art und Weise, wie er die Ereignisse um die brutalen Terroranschläge in Paris bewältigte, das Aufkommen jeglicher Panik verhinderte und daraus eine von nahezu allen Bevölkerungsschichten einschließlich der wichtigsten ausländischen Regierungschefs getragene Aktion gegen die Bedrohung der Meinungsfreiheit organisierte, war beeindruckend. Ein bisher zaudernder, oft als entscheidungsscheuer Präsident angesehen, der bereits als abgeschrieben galt, hat sich zurückgemeldet. Die in den letzten Tagen durchgeführten Umfragen haben dies mit einem Popularitätszuwachs von mehr als 20% belohnt.

Die wiedergewonnene Führungsautorität müsste ihn eigentlich anspornen, die zahlreichen, teilweise auch im eigenen Lager kritisierten Reformvorhaben nun zielstrebig umzusetzen; hilfreich dabei sind auch die bestehenden günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie die niedrigen Erdölpreise und Zinsen sowie der weiter fallende Euro gegenüber dem Dollar. Eine ganz neue, wahrscheinlich ebenfalls positive Variante könnte sich dabei auch aus der jüngsten Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) für Frankreich ergeben. Wir möchten uns dabei aber in keiner Weise in die äußerst komplexe finanzwirtschaftliche Analyse über Richtigkeit und Angemessenheit dieser weitreichenden Maßnahme einschalten. Zu unterschiedlich sind die vertretenen Lehrmeinungen und Auffassungen hierzu, wobei auch abweichende Mentalitäten, die in beiden Ländern bestehen, zu berücksichtigen sind.

Unbestritten kann jedoch gesagt werden, dass die massive Geldvermehrung automatisch zu einer Erhöhung des Kreditangebots für die Unternehmen/Privathaushalte und damit zu einer weiteren Reduzierung der Zinshöhe führen wird. Darüber hinaus wird die Abwertung des Euros weitergehen. Beide Konsequenzen sind apriori positive Elemente für das französische Wirtschaftsumfeld.

Der Umschwung, die Einleitung einer dauerhaften Wachstumsphase wird jedoch nur gelingen, wenn das Vertrauen bei den Unternehmen und damit ihre Investitionsbereitschaft zurückkehren. Die Rahmenbedingungen hierzu, die aber in erster Linie von außen, also
ohne Zutun von Frankreich geschaffen wurden, sind günstig. Nun müssen aber die zahlreichen inneren Hemmnisse, die im Land bestehen, und die auch den Inhalt der vielen Reformpläne ausmachen, konsequent bearbeitet bzw. bereinigt werden. Nur so kann die massive Flankenhilfe der EZB den gewünschten Effekt des notwendigen Wirtschaftswachstums und den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit, die im Augenblick weiter steigt, erreichen. Das schlimmste dabei wäre, wenn die Regierung ihre Sparpläne und die eingegangene unabdingbare Verpflichtung, das Haushaltsdefizit in dem angekündigten Zeitraum abzubauen, vergessen würde. Die Gegner der EZB -Maßnahmen würden sich bestätigt fühlen.

Präsident Hollande, Carpe diem!

Viel Spaß und einige neue Erkenntnisse bei der Lektüre der vorliegenden Ausgabe wünscht Ihnen

Ihre DiagnosticNews-Redaktion