Aktuelles

  1. Home
  2.  | 
  3. DiagnosticNews
  4.  | 
  5. Aktuell
  6.  | Editorial – Frankreich nach der Europawahl

Aktuelle News 

Editorial – Frankreich nach der Europawahl

Jun 4, 2014 | Aktuell

Lieber Leser,

Die Niederlage der etablierten französischen Parteien bei der Wahl zum Europaparlament war schon lange vorausgesagt worden – aber nicht in diesem Ausmaß.

Präsident Hollande hat eine weitere gewaltige Ohrfeige erhalten. Die Sozialisten müssen um ihre Daseinsberechtigung kämpfen, und die Chancen für eine Wiederwahl – leider geht es ja in der Politik nur darum – des derzeitigen Präsidenten nähern sich Null. Nach jüngsten Umfragen sollen nur noch 3% der Wähler für ihn stimmen wollen.

Eigentlich ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, die Politik zu machen, die Frankreich hilft oder zumindest eine Chance gibt, aus der fatalen, immer mehr abdriftenden Lage herauszukommen. Die Situation ist äußerst ernst. Die Arbeitslosenzahlen steigen weiterhin: Seit Beginn der neuen Präsidentschaft im Mai 2012 sind nochmals ca. 450.000 Personen ohne Arbeit hinzugekommen. Auch das Wachstum ist beinahe beim Stillstand angelangt, wo doch für das gesamte Jahr 2014 weiterhin ein Anstieg von 1% erreicht werden soll.

Die bisher bestehenden, sehr optimistischen Wirtschaftszahlen, die von der neuen Regierung unter Premierminister Manuel Valls mit viel Vehemenz verteidigt werden, haben – unter Anmeldung einiger Zweifel – die generelle Zustimmung von Brüssel erhalten. Eine weitere Schonfrist wurde Frankreich eingeräumt. Nun steht aber das angeschlagene Image der französischen „Exekutive“ auf dem Spiel.

Aber Frankreich hat, wenn vielleicht auch nicht überall richtig wahrgenommen und insbesondere nicht genügend glaubwürdig begründet, einen gewaltigen Maßnahmenkatalog vorgelegt: nicht unerhebliche Steuersenkungen, Haushaltseinsparungen von 50 Mrd. € über mehrere Jahre, einen Vertrauenspakt mit den Unternehmen und eine gigantische Strukturreform, die aus 22 Regionen (Ländern) 14 machen soll und auf längere Sicht eine Auflösung der „Départements“ vorsieht.

Sicherlich darf es nicht bei den bloßen Ankündigungen bleiben, und die Umsetzung bzw. die angekündigten Ziele müssen realistisch sein. François Hollande kann nunmehr nach dem deutschen Sprichwort „Ist der Ruf mal ruiniert, regiert es sich ganz ungeniert“ das verwirklichen, was für Frankreich das Beste und Notwendigste wäre.

Die Zeit (drei Jahre) und die Macht, die ihm die französische Verfassung hierzu gibt, hätte er. Das Verständnis des deutschen Partners sollte er schon aus purem Eigeninteresse haben. Ob er selbst das notwendige Durchhaltevermögen besitzt, denn es werden sicherlich gewaltige Unruhen im Lande und insbesondere im eigenen Lager dadurch ausgelöst werden, kann nur die Zukunft beweisen.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre.

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Haben Sie Fragen zu unseren aktuellen News?

Gern unterstützen wir Sie mit Ihrem Unternehmen in Frankreich  

Unser COFFRA-Team steht Ihnen gern zur Verfügung.