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Editorial – Es gibt keine Alternative

Feb 28, 2014 | DiagnosticNews, Editorial

Lieber Leser,

seit 1960 ist bei der verarbeitenden Industrie ein Rückgang der Margen zu beobachten. In 2012 wurde im Durchschnitt nur noch eine Spanne von 22,6% erzielt. Die Folgen daraus waren gravierend: Aufgrund der nicht erwirtschafteten, also nicht verfügbaren Finanzmittel, konnten die notwendigen Investitionen mit hochtechnologischen Maschinen nicht durchgeführt werden. Der Maschinenpark veraltete allmählich, Innovationen konnten nicht mehr realisiert werden und die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten ging verloren.

Ein kleines Beispiel hierfür ist die schwache Ausstattung der französischen Fabriken mit Robotern. In 2011 wurden in Deutschland viermal so viele (154.000) und selbst in Italien doppelt so viele eingesetzt. Vielleicht ändert sich dies ja durch die im Finanzgesetz 2014 eingeräumte Möglichkeit der steuerlichen Abschreibung eines Roboters über zwei Jahre.

Da der kostspielige Einstieg in die Entwicklung von technisch hochwertigen, margenträchtigen Produkten verbaut war, blieb nur noch die Herstellung von billigeren Waren mit geringeren Spannen übrig. Hinzu kamen permanent steigende zusätzliche Sozialbelastungen beim Arbeitgeber und ein immer rigideres Arbeitsrecht, das Anpassungen noch schwieriger und teilweise unbezahlbar machte.

Die obigen Ausführungen beruhen nicht auf den Erkenntnissen der letzten Wochen und Monate. Sie sollen nur die Gründe für die lange, schmerzliche Talfahrt der französischen Industrie, deren Bedeutung für den Wohlstand des Landes falsch eingeschätzt wurde, aufzeigen.

Die radikale Kehrtwende des französischen Staatspräsidenten, u.a. weg von der Nachfragepolitik, hin zu einer Angebotsverbesserung, kann deshalb nicht genügend gelobt und als die einzig verbleibende Alternative hervorgehoben werden.

Es gibt leider viel zu viele kritische Stimmen für diesen folgenreichen, aber auch qualvollen Weg. Das politische Stimmungsbarometer von François Hollande fiel deshalb nochmals; aber das ist kein Grund, sich von der Entscheidung abhalten zu lassen. Im Gegenteil, Frankreich kann von dieser Richtungswahl nur profitieren – und der Staatspräsident, der nur für das Wohl des Staates gewählt wurde, müsste dies auch wissen.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer@coffra.fr

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