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Editorial: Die großen Erwartungen an 2021

Jan 6, 2021 | DiagnosticNews, Editorial

Ein Annus horribilis liegt hinter uns. Gerne würden wir es schnell vergessen, aber seine Auswirkungen werden uns noch einige Zeit begleiten. 

Seit neun Monaten sind wir nun schon Opfer des grausamen und unberechenbaren Coronavirus. Die befürchtete zweite Welle ist tatsächlich eingetreten oder präziser: die Covid-19-Krise hat uns eigentlich nie verlassen. Wir mussten uns auf eine völlig neue, seit vielen Jahrzehnten nie gekannte Situation anpassen. Penible Kontrollen und drastische Bewegungseinschränkungen bis zu Ausgangssperren gehörten zu unserem Alltag. Unsere Lebensweise reduzierte sich auf ein Minimum an menschlichen Kontakten. Das normale soziale und kulturelle Leben kam zeitweise zum Stillstand. Auch der berufliche Alltag blieb davon nicht verschont: Die Arbeit im Homeoffice wurde zum Normalfall. 

Das gewaltige, zur Verfügung gestellte Hilfsprogramm für den medizinischen Bedarf, aber auch die finanzielle/wirtschaftliche Unterstützung aller Beteiligten zeigte ihre Wirkung: Der befürchtete totale Zusammenbruch blieb aus. 

Die größte Überraschung kam dann kurz vor Jahresende: Dem erhofften Impfstoff war von den zuständigen staatlichen Zulassungsstellen die Impfgenehmigung erteilt worden. 

Die ersehnte Kehrtwende für 2021 zeichnet sich ab. Die Bewältigung des sanitären Teils von Covid-19 kann nun beginnen. Sicherlich wird die gewaltige Impfaktion, die größte in ihrer Geschichte, eine riesige Herausforderung für die zuständigen Instanzen darstellen. Sie wird sich bis weit in das laufende Jahr erstrecken. Es besteht aber nunmehr für 2021 die berechtigte Hoffnung, den weiteren Verlauf der Coronakrise in den Griff zu bekommen. 

Wie sieht es aber mit den sonstigen Folgen von Covid-19 aus? Wie wird sich die wirtschaftlich-finanzielle Situation Frankreichs in 2021 entwickeln? Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IFOP, die für den französischen Arbeitgeberverband (Medef) Anfang Dezember 2020 durchgeführt wurde, geben sich 68% der befragten Unternehmenschefs optimistisch für die Entwicklung ihrer eigenen Firmen in 2021, wohingegen nur 37% von ihnen diese Meinung auch für die gesamte französische Wirtschaft teilen. 

So musste auch die französische Regierung mehrmals die Zahlen für ihr Haushaltsbudget 2021 ändern. Sie geht nunmehr – nachdem auch die Erwartungen für 2020 nach unten zu korrigieren waren – von einem Wachstum von 6% (Banque de France nur 5%) für das kommende Jahr aus. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit 2021 von 8,5%, nachdem für das abgelaufene Jahr vorab eine Höchstmarke von 11,3% erreicht wurde. 

Es wird ein weiteres schwieriges Haushaltsjahr für den französischen Staat werden. Das belastende Budgetdefizit führt zu einem weiteren Anstieg der gefährlich hohen Staatsverschuldung, die sich in 2021 auf 122% des BSP belaufen wird. Diese gigantische Prozentzahl wird sich auch in den Folgejahren mit dem bisherigen mäßigen Wachstum allein nicht abbauen lassen. Hier sind auf Dauer erhebliche Einschnitte auf der Ausgabenseite erforderlich und auch – obwohl dies von der Regierung bisher heftig bestritten wird – zielgerichtete Steuererhöhungen unvermeidbar. 

Die derzeitigen günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten zu Negativzinsen, also ohne zusätzliche Belastung – im Gegenteil, es entstehen dabei sogar Zinserträge – lassen diese schwierige Situation etwas in Vergessenheit geraten. Mittelfristig ist jedoch ein Abbau dringend erforderlich. 

Auch das andere große Sorgenkind Frankreichs, die hohe Arbeitslosigkeit, wird in 2021 nur schwerlich einen Rückgang verzeichnen können. Die Restrukturierungen vieler Firmen, die bisher aufgeschobenen Entlassungs- und Sozialpläne sowie die unweigerlich noch eintretenden Insolvenzen werden leider diese Problematik noch verschärfen. 

Es wird für die Regierung ein schwieriger Spagat, zwischen notwendigen Sanierungen der Unternehmen, um ihnen ein profitables Wachstum zu ermöglichen, und der Minimierung von Entlassungen entscheiden zu müssen. Gewerkschaftlich angetriebene Streikbewegungen könnten dabei leicht entfachen. 

Darüber hinaus dürfte der derzeitig bestehende politische Unruhezustand, der sich im Hinblick auf die kommende Präsidentschaftskampagne noch verstärken wird, nicht unbedingt die Entscheidung zu unpopulären Maßnahmen fördern. 

Frankreich steht vor einem komplizierten, wirtschaftlich und finanziell äußerst schwierigen Jahr. Das Coronavirus hat tiefe Wunden in der Volkswirtschaft hinterlassen. Um einen Totalschaden zu vermeiden, mussten gigantische Schulden aufgenommen werden, die die bereits davor bestehende angespannte Verschuldungssituation nochmals zusätzlich belasteten. In 2021 und auch im darauffolgenden Jahr wird sich daran kaum etwas ändern. Dies ist bereits rein rechnerisch auch nicht möglich. 

Das kommende Jahr ist nur eine Zwischenstation. 2021 muss dazu benutzt werden, die vielen durch Covid-19 verursachten Schäden weitgehend zu beseitigen und gleichzeitig die notwendigen Voraussetzungen schaffen, um ein effizientes Durchstarten im Jahr 2022 zu ermöglichen. Eine immense Aufgabe und Herausforderung. Sehr positiv und äußerst ermutigend ist 2021 aber auch als das Jahr der Befreiung von einer schrecklichen Pandemie zu sehen, die so unendlich viel Leid und Angst unter uns brachte. 

Seien wir also dankbar, dass dieser Zustand sich dem Ende neigt und freuen wir uns, dass wir bald (hoffentlich in einigen Monaten) ein gesellschaftliches Normalleben wieder führen dürfen. 

Wir wünschen Ihnen und Ihren Unternehmen viel Erfolg in 2021.

Ihre Diagnostic News Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer 

kschlotthauer@coffra.fr

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