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Editorial: Die französischen Unternehmer sind wieder hoffnungsvoller geworden

Sep 3, 2020 | DiagnosticNews, Editorial

„I will survive“, so begrüßte Geoffroy Roux de Bézieux, der Präsident des französischen Arbeitgeberverbandes („MEDEF“), seine Unternehmerkollegen auf der alljährlichen Sommeruniversität („Université d’été“) Ende August 2020, um einen optimistischen Startschuss für die „Rentrée“, d.h. für die kommenden Monate abzugeben, der auch weitgehend von den Anwesenden angenommen wurde. 

Die französischen „Patrons“ geben sich insgesamt, so wurde von vielen Seiten versichert, wesentlich zuversichtlicher als nach Beendigung des Lockdowns, der über die heimische Wirtschaft verhängt wurde und diese nahezu zum Stillstand brachte. 

So ist der verhaltene Optimismus der Unternehmer bei der bestehenden Unsicherheit über die zukünftigen Konjunkturaussichten und zu erwartenden Schwierigkeiten für die Bewältigung der bereits vorliegenden Schäden umso begrüßenswerter. So reduzierte sich das Wirtschaftswachstum („PIB“) im ersten Halbjahr um bisher nicht gekannte 13,8% und wird sich nach bisherigen, vorsichtigen Schätzungen auf 11% belaufen. Die Auswirkungen auf die Beschäftigungspolitik der Unternehmen konnte bisher weitgehend durch die großzügige staatliche Kurzarbeitsregelung abgemildert werden. Hier ist jedoch im Herbst mit großen Entlassungswellen und einem entsprechenden Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. 

Die Regierung ist im „Sommerloch“ nicht untätig geblieben, um die drohenden wirtschaftlichen Langzeitschäden abzufedern und die derzeitige negative Stimmungslage zu verbessern. Dabei hat ihr leider die im Augenblick wieder stark ansteigende Infektionswelle von Covid-19 völlig den Fahrplan durchkreuzt. Jetzt heißt es, um einen neuen Lockdown bei der Wirtschaft zu vermeiden, zunächst den sanitären Bereich in den Griff zu bekommen. Die Fehler, die in der ersten Covid-19-Phase begangen wurden und die hieraus resultierenden Folgen dürfen sich nicht wiederholen. Die dabei entstandenen Schäden sowie die Art der Abwicklung belasten noch heute das Image von Präsident Macron. 

Totale Maskenpflicht in allen öffentlichen Bereichen, aber auch in den Unternehmen und sehr starke Einschränkungen bei allen öffentlichen und privaten Zusammenkünften sind strikt einzuhalten. Es bleibt zu hoffen, das dies ausreicht, die Ansteckungswelle zu stoppen. 

Der umtriebige neue Premierminister Jean Castex und der routinierte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire benutzten die obige Unternehmertagung, um den Optimismus der Teilnehmer zu unterstützen. Dabei ging es ihnen erneut um die Bestätigung, dass weder Steuererhöhungen vorgenommen noch geplante Steuerermäßigungen aufgegeben werden. So ist die Reduzierung des Körperschaftsteuersatzes auf 25% für alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größenordnung, ab 2022 weiterhin verbindlich. Für Gesellschaften mit einem Umsatzvolumen von weniger als 250 Mrd. € erfolgt eine kontinuierliche Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf 28% in 2020, 26,5% in 2021 und 25% in 2022. Frankreich befindet sich dann endlich im Mittelfeld der Mitgliedstaaten der EU.

Eine weitere wichtige Ankündigung betraf die Reduzierung eines Teilbereiches der Produktionssteuern. Ab dem 1. Januar 2021 soll damit die Besteuerung des erwirtschafteten Mehrwerts eines Unternehmens auf maximal 2% begrenzt werden. Daraus soll sich insgesamt eine Steuerherabsetzung von 10 Mrd. € ergeben. Und letztlich wurde auch die (mehrmals verschobene) Aufhebung der Wohnsteuer („taxe d’habitation“) für die besserverdienende Bevölkerungsschicht – für die anderen Steuerpflichtigen wurde sie bereits aufgehoben – nunmehr definitiv angekündigt. Die Auswirkungen aus dieser Maßnahme sollen sich auf 7 Mrd. € belaufen. 

Und dann steht auch noch der Superinvestitionsplan der Regierung über 100 Mrd. € aus. Er soll die Schäden von Covid-19 abmildern, aber auch neue Wachstumsfelder eröffnen. Dieser gewaltige finanzielle Gewaltakt, dessen Ankündigung durch die neue Infektionswelle verschoben wurde, soll Anfang September im Detail vorgestellt werden. 

Die Regierung muss nun das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen. Die Covid-19-Krise, aber auch ihre Abwicklung haben viel Unruhe und Unsicherheit gestiftet. Das zeigte sich auch in der verminderten Kauflust der Bürger während der Corona-Krise. 100 Mrd. € sind nach amtlichen Berechnungen bis Ende September auf die hohe Kante gelegt worden. Sie müssen, so auch das Bestreben der Regierung, wieder in den normalen Geldumlauf gebracht werden. 

Es bleiben weiterhin viele Fragen offen: zuallererst inwieweit der neue französische Coronavirus-Anstieg abgewehrt werden kann, aber auch, wie sich die bestehenden Problemfelder im internationalen Wirtschaftsumfeld (USA, China, Brexit, …) entwickeln werden. Der Optimismus der französischen Unternehmenschefs ist dabei von nicht unerheblicher Bedeutung. 

Die nächsten Monate bleiben spannend. Wir werden Ihnen wie bisher über den französischen Teil weiter berichten. 

Viel Spaß bei der Lektüre der vorliegenden DiagnosticNews-Ausgabe wünscht Ihnen 

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer 

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