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Editorial: Die französische Industrieproduktion soll wettbewerbsfähiger werden

Dez 2, 2021 | DiagnosticNews, Editorial

Eines der großen Problemfelder für Frankreich ist der seit vielen Jahren anhaltende Rückgang der gewerblichen Industrie. Dafür gibt es viele Gründe und Erklärungen, wobei nicht nur steuerliche Belastungen eine große Rolle spielen. Bereits in der Vergangenheit wurden von den vorangegangenen Regierungen größere Anstrengungen unternommen, um diese volkswirtschaftlich so bedauerliche Bewegung zu stoppen. Leider nicht mit den gewünschten Erfolgen. 

Tatsache ist, dass der Anteil der gewerblichen Produktion, der im Jahr 2000 noch 14,5% des BIPs darstellte, was bereits einen gewissen Tiefstand zum Ausdruck bringt, in den vergangenen 20 Jahren auf knapp 10% gefallen ist. Die Pandemie hat diesen Trend noch weiter verstärkt. 

Die Regierung von Macron war sich seit ihrem Beginn in 2017 der Bedeutung der Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen und ihrer damit verbundenen, notwendigen Unterstützung im Klaren. Die Herabsetzung des Körperschaftsteuersatzes von 33% in 2018 auf 25% in 2022, die trotz der finanziellen Schwierigkeiten bedingt durch Covid-19 eingehalten wurde, war ein wichtiger Schritt. 

So wurde auch die vom Vorgänger, Präsident Hollande, eingeführte progressive Versteuerung der Kapitaleinkünfte sofort zurückgenommen. Die nunmehr geltende 30%-Pauschalversteuerung führte zu einer steuerlichen Normalisierung bei der Behandlung dieser Erträge, wovon auch die kapitalsuchenden Unternehmen profitierten. 

Als ein Hemmschuh für die Konkurrenzfähigkeit der französischen Industrie werden seit Jahren die hohe Steuerbelastung und dabei insbesondere die der Produktionssteuern hervorgehoben. Bei Letzteren handelt es sich um eine sehr heterogene Zusammensetzung aus Steuern und Abgaben, die als Bemessungsgrundlage teilweise auf den Löhnen (wie z.B. Transportabgaben), auf den Aktivwerten (wie Grundsteuern), auf den Unternehmensumsätzen (wie Solidaritätsabgabe) oder auch auf dem erwirtschafteten Mehrwert des Unternehmens (Gewerbesteuer) beruhen. 

Die sogenannten Produktionssteuern lagen in 2020 bei 3,1% des BIPs gegenüber 1,7% in den Euroländern und sogar nur 0,8% in Deutschland. Einen maßgeblichen Anteil machen dabei die Grundsteuern aus, wobei die hohe Besteuerung der französischen Fabrikationsstätten besonders zu Buch schlägt. 

In 2021 wurde eine Reduzierung in Höhe von 10 Mrd. € vorgenommen, die die Besteuerung des erwirtschafteten Mehrwerts der Unternehmen entsprechend verringern wird. Von den Regierungsgegnern im laufenden Wahlkampf um die Präsidentschaft, insbesondere von den derzeitigen Kandidaten des bürgerlichen Lagers, wird diese Maßnahme als viel zu gering eingeordnet und ein weiterer Abbau bei Obsiegen versprochen. 

Aber auch die hohen Arbeitskosten, die die Industrieproduktion belasten, hemmen die Konkurrenzfähigkeit. Dabei handelt es sich insbesondere um die hohen, auf den Arbeitgeberanteil entfallenden Sozialabgaben, die 10,3% des BIPs in 2020 darstellten, gegenüber 8,1% im Durchschnitt in den Euro-Ländern. 

Bereits in 2013 wurde durch den eingeführten Steuerkredit (CICE) eine Verbesserung der Bruttomarge eingeleitet. Durch die Regierung Macron wurde die Steuerkreditmaßnahme dann in eine definitive Absenkung des Arbeitgeberanteils umgewandelt. Da diese Verbesserung aber in erster Linie nur die Sozialabgaben von Geringverdienern betrifft, Frankreich hingegen kein Niedriglohnland darstellt, besteht auch weiterhin ein gewisser Nachholbedarf.

In diese Richtung geht auch der große Investitionsplan „France 2030“, den Emmanuel Macron am 12. Oktober 2021 vor 200 Unternehmenschefs vorstellte und persönlich eingehend erläuterte. Der Plan soll dazu beitragen, auf den Gebieten Energie, Automobil, Luftfahrt und Weltraum die zukünftigen französischen Champions zu entwickeln und zu fördern. Dazu wurde ein Betrag von 30 Mrd. €, der in den nächsten fünf Jahren in diesen Bereichen für zehn genau bezifferte Ziele zur Verfügung steht, angekündigt. 

Der Plan stellt einen starken Anstoß von Seiten des Staates dar, die heimische Industrie mit großen Mitteln anzukurbeln, um mehr Wachstum zu generieren, den Industriestandort Frankreich herauszuheben und damit die industrielle Souveränität des Landes wieder zurückzugewinnen. Die Bedeutung einer eigenen wettbewerbsfähigen Industrie, die zugunsten einer immer wichtiger gewordenen Dienstleistungsgesellschaft in den letzten Jahrzehnten in den Hintergrund getreten war, soll damit klar herausgestellt werden. 

Das Gelingen im Kampf gegen die weiterhin zu hohe Arbeitslosigkeit hängt nicht unwesentlich von einem starken Industriestandort ab. Die derzeitigen engagierten Bemühungen und finanziellen Zukunftsengagements sollten dabei helfen. 

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre und einige Anregungen für Ihr Tagesgeschäft. 

Bleiben Sie gesund 

Ihre Diagnostic News Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer 

kschlotthauer@coffra.fr

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