Liebe Leser,

nun ist es mal wieder soweit: Brüssel möchte die Besteuerung der Unternehmensgewinne vereinheitlichen. Eine Reform, die in 2011 kläglich scheiterte, könnte nunmehr aber auf größeren Zuspruch innerhalb der Europäischen Union stoßen. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich wird aus den jeweiligen Finanzministerien große Sympathie hierfür angemeldet. Das europäische Vorhaben soll in einem Stufenplan abgewickelt werden. Zunächst geht es um die Einführung einer einheitlichen Bemessungsgrundlage für die Errechnung der Körperschaftsteuer. Dazu sind u.a. die bestehenden Unterschiede bei den Abschreibungen, Wertberichtigungen, Rückstellungsbildungen etc. anzugleichen, um in Zukunft Steueroptimierungen der internationalen Gruppen zu vermeiden. Als nächster Schritt soll dann eine Konsolidierung der Bemessungsgrundlage erfolgen, um die Steuerbasis auf die betroffenen europäischen Länder zu verteilen. Hierzu ist ein wirtschaftlich vertretbarer Aufteilungsschlüssel zu finden – sicherlich ein besonderer Streitapfel unter den EU-Mitgliedern. Als letzte Etappe bliebe dann die Festlegung eines uniformen, verbindlichen Steuersatzes für den gesamten EU-Raum.

Bereits unter Präsident Sarkozy wurden intensive Untersuchungen geführt und Kommissionen eingerichtet, die sich eine Annäherung der Steuersysteme in Frankreich und Deutschland zum Ziel setzten. Ein noch viel ambitiöseres Vorhaben als der vorliegende Entwurf aus Brüssel. Bald wurde auch der viel zu weitgesteckte Rahmen festgestellt, und unter der neuen sozialistischen Regierung wurden die Arbeiten definitiv eingestellt.

Der neue europäische Vorschlag ist für die französische Finanzverwaltung eine große Herausforderung und im Detail nicht einfach umzusetzen. Viele Besonderheiten und typische fiskalische Sonderregelungen müssen verändert oder sogar aufgegeben werden.

Hier ist in erster Linie die bestehende Steuerorganschaft, die nur für französische Unternehmen gilt, und die auf EU-Ebene als mit Europarecht nicht konform angegriffen wird, zu nennen. Des Weiteren ist auf die vielen Steuerkredite, die Frankreich gewährt, wie z.B. der Steuerkredit für Forschung („crédit de recherche“) und der zur Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit („CICE“) hinzuweisen, die mehr als 35 Mrd. € Steuererleichterungen gewähren und deren Beibehaltung nach der neuen Direktive problematisch sein könnte. Darüber hinaus enthält der neue EU-Richtlinienentwurf aber auch einige Vorschläge, die den französischen Fiskus teuer zu stehen kommen könnten, wie die Aufhebung der zeitlichen Begrenzung der Verlustvorträge, die mögliche Abzugsfähigkeit von Pensionsrückstellungen oder auch eine Vereinfachung der Zinsabzugsbegrenzung.

Eine einheitliche steuerliche Bemessungsgrundlage würde in Frankreich endlich zu einer größeren Steuerstabilität und Planungssicherheit bei den Unternehmen führen. Permanente Veränderungen durch die nationalen Haushaltsgesetze würden nicht mehr möglich sein. Und letztlich würde Frankreich seinen hohen Körperschaftsteuersatz derzeitig bei 34%, der weit über dem europäischen Durchschnitt von 24,6% liegt, reduzieren müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden.

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Ihre DiagnosticNews-Redaktion