Diagnostic News

Erfolg in Frankreich –
Informationen aus dem
französischen Wirtschaftsleben

Informiert jeden Monat aktuell.

  1. Home
  2.  | 
  3. DiagnosticNews
  4.  | Editorial: Der starke Rückgang der Arbeitslosigkeit

Diagnostic News nach Themen sortiert:


Für Sie nach speziellen Steuer- und Rechtsthemen sortiert:

Diagnostic News Archiv


Alle Ausgaben von Diagnostic News zum Download als PDF

Diagnostic News

Editorial: Der starke Rückgang der Arbeitslosigkeit

Sep 7, 2021 | DiagnosticNews, Editorial

Die französische Wirtschaft befindet sich in guter Form 

Der Start nach dem traditionellen französischen Sommerloch beginnt mit einer hoffnungsvollen Nachricht: Die Arbeitslosenzahlen und die Neueinstellungen haben wieder ihren Stand vor der Coronakrise erreicht. Die pessimistischen Voraussagen namhafter Ökonomisten und Wirtschaftsinstitute von September 2020, die einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 11% und den Wegfall von ca. 1 Millionen Arbeitsplätzen prophezeiten, sind nicht eingetreten.

Nach den im August veröffentlichten Zahlen des französischen Statistikamtes (Insee) ist der Arbeitslosenprozentsatz der aktiven Bevölkerung im zweiten Quartal 2021 auf 8% gefallen. Dies entspricht dem Niveau von Ende 2019. Die Beschäftigungszahlen im Privatbereich waren seit 2003 nicht mehr so hoch wie im Augenblick, wobei in einigen Branchen Engpässe bzw. größere Schwierigkeiten bei der Suche nach Arbeitskräften bestehen. Dabei ist festzustellen, dass u.a. aufgrund dieser Notlage eine Verschiebung von befristeten auf unbefristete Arbeitsverträge sich abzeichnet und die Forderungen nach Gehaltserhöhungen sich zunehmend verstärken. 

Der vom obersten Verwaltungsgericht (Conseil d’Etat) angeordnete Aufschub der Neuregelung der Arbeitslosenversicherung dürfte, da die vom Gericht dargelegten Bedenken nunmehr durch die neue Situation am Arbeitsmarkt widerlegt werden, in Kürze hinfällig werden. Der wichtige, noch ausstehende Bestandteil der Arbeitsrechtsreform könnte dann, wie Präsident E. Macron in seiner Ansprache vom 12. Juli bereits ankündigte, zum 1. Oktober 2021 in Kraft treten. 

Eine weitere erfreuliche Nachricht kommt aus der französischen Wirtschaft. Nach einem sehr verhaltenen Start im ersten Quartal 2021 ergab sich für die nächsten drei Monate ein Zuwachs von 1,1%, der sich auch im Juli und August fortsetzte. Ein Wachstumsziel von 6% für das gesamte Jahr 2021 erscheint deshalb dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire für durchaus erreichbar, trotz bestehender Engpässe bei vielen Rohstoffen und Halbleiterelementen. Damit könnte sich auch das Haushaltsdefizit, das für 2021 mit erschreckenden 9,4% de BIP (nach 9,2% in 2020) geplant war, leicht verbessern und unter die 9%-Marke fallen. 

Auf dieser guten Tendenz aufbauend, hat die Regierung nunmehr angekündigt, die bisherige Politik des „koste es, was es wolle“ (quoi qu’il en coûte), die seit März 2020 den Unternehmen massive finanzielle Unterstützungen – teilweise in sehr großzügiger Weise – zur Verfügung stellte und damit erfolgreich sowohl Massenentlassungen als auch Firmenzusammenbrüche weitgehend verhinderte, aufgegeben werden. Dabei sollen aber gewisse Branchen, die von der Krise besonders hart betroffen sind (z.B. Hotellerie, Restaurant- und Barbetriebe, Touristikunternehmen etc.), auch weiterhin die speziellen Sonderregelungen bei der Kurzarbeit in Anspruch nehmen können. So Bruno Le Maire vor den betroffenen Branchenvertretern am 30. August 2021.

So wird auch der bestehende generelle Solidaritätsfonds, der ursprünglich nur bis Ende August geplant war, bis zum 30. September 2021 verlängert werden, wobei jedoch die Kriterien, um in seinen Genuss zu kommen, etwas verschärft wurden.  Alles in allem ein langsames Verabschieden, jedoch keine völlige Aufgabe des kostspieligen Rettungsplanes, der bisher bereits 80 Mrd. € kostete.

Die Coronakrise wird aus heutiger Sicht auch in 2022 zu hohen Budgetbelastungen führen. Hier ist u.a. der „Plan Ségur de la Santé“ zu nennen, der für die Verbesserung des staatlichen Krankenhauswesens, dessen Mängel sich in der ersten Phase der Coronakrise besonders stark bemerkbar machten, beschlossen wurde. Die Kosten hierfür werden das Budget für 2022 mit 12 Mrd. € belasten. 

Die Wiederherstellung einer nur annähernd normalen Situation der öffentlichen Finanzen wird nicht mehr unter der bestehenden Präsidentschaft von Emmanuel Macron stattfinden. Dabei dürfte für Frankreich sehr hilfreich sein, dass von der EU die Einhaltung der Maastricht-Kriterien auch für 2022 ausgesetzt wurde. 

Zum Abschluss darf nicht unerwähnt bleiben, dass die politischen Parteien sich langsam auf die im April 2022 stattfindenden Präsidentschaftswahlen vorbereiten. Auch der amtierende Präsident, der zwar öffentlich seine Kandidatur noch nicht erklärt hat, dürfte sein weiteres Handeln darauf abstimmen. Die derzeitige wirtschaftliche Performance des Landes, insbesondere die Verhinderung eines Zusammenbruchs vieler Unternehmen und die Zurückführung der Arbeitslosigkeit auf den Stand vor der Krise, sind ein gutes Startkapital für den Präsidenten. Aber auch die bisherige Bewältigung der Coronakrise wird der Exekutiven positiv angerechnet. Die anfänglichen Schwierigkeiten, die bei der Impfaktion auftraten und eine äußerst starke Opposition hervorriefen, wurden durch einen massiven Appel sowie die Anordnung von autoritären Verbotsmaßnahmen von Emmanuel Macron ins Gegenteil verwandelt. Frankreich gehört heute mit einem Anteil von mehr als 70% der Bevölkerung an Geimpften zu den Spitzenreitern der Welt. 

Aber noch führt der Präsident einen Kampf gegen die Opponenten des Impfpasses, der für viele Lebensbereiche nunmehr obligatorisch wurde. Die Gegner haben sich zwischenzeitlich zu einer lautstarken Protestbewegung, die jeweils an den Wochenenden in Aktion tritt, zusammengefunden. Eine gewisse Ähnlichkeit zu der fatalen Gelbwestenbewegung, die seinerzeit den auf Reformen eingestimmten Präsidenten so abrupt in seinen Plänen stoppten, ist dabei unzweifelhaft festzustellen. Emmanuel Macron ist bedacht, eine Neuauflage unter allen Umständen zu verhindern. Größere Reibungsflächen, die eventuell zu sozialen Unruhen oder auch öffentlich Protestaktionen führen könnten, müssen aus seiner Sicht unbedingt vermieden werden. Hierzu ein kleines Beispiel: Als im August 2021 die seit Jahren geplante technische Kontrolle (TÜV) für Motorräder kurzfristig eingeführt wurde, wurde durch Anordnung von E. Macron der bereits veröffentlichte Durchführungserlass kurzfristig zurückgezogen. 

Es ist deshalb nicht mehr damit zu rechnen, dass noch in der bestehenden Amtszeit des derzeitigen Präsidenten die Rentenreform zu Ende gebracht wird. Zu groß ist das Risiko, nochmals die Volksmassen auf die Barrikaden zu bringen. 

Es bleibt weiterhin spannend. Wir werden Ihnen über den weiteren Verlauf berichten. 

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und einige Anregungen für Ihr Tagesgeschäft 

Ihre Diagnostic News Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer 

kschlotthauer@coffra.fr

Diagnostic News nach Themen sortiert:


Für Sie nach speziellen Steuer- und Rechtsthemen sortiert:

Diagnostic News Archiv


Alle Ausgaben von Diagnostic News zum Download als PDF