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Editorial: Der Ausblick auf 2022

Jan 7, 2022 | Aktuell, DiagnosticNews, Editorial

Zunächst aber ein kleiner Rückblick: Alles in allem war das vergangene Jahr wirtschaftlich sehr erfolgreich, trotz Lieferengpässen, Ressourcenknappheiten und Covid-19. Nach dem katastrophalen Einbruch des BIPs in 2020 (-8,7%) war in 2021 ein fulminanter Anstieg von höchstwahrscheinlich +6,7% Wachstum (die definitiven Zahlen liegen noch nicht vor) zu verzeichnen. Damit ist der Stand vor der Pandemie wieder erreicht. Begleitet wurde die wirtschaftliche Erholung durch eine spektakuläre Börsenentwicklung, die für die französischen CAC-Werte in einer Steigerung von 30% seit Jahresbeginn gipfelten. 

Auch am Arbeitsmarkt war eine sehr positive Entwicklung zu verzeichnen. Die Zahl der in der Kategorie A eingetragenen arbeitslosen Personen, die überhaupt keiner Arbeit nachgehen, verringerte sich in den letzten 12 Monaten um 500.000, womit der in 2020 durch die Pandemie Covid-19 eingetretene Schock am Arbeitsmarkt ausgeglichen wurde. Erstmalig seit vielen Jahren ist zum Ende 2021 die für Frankreich magische Zahl von 8% der Arbeitslosigkeit für die aktive Bevölkerung fast erreicht worden. Daran haben natürlich die gewaltigen Unterstützungsmaßnahmen des Staates, die auch zu einem beinahe völligen Ausfall der befürchteten Unternehmenszusammenbrüche führten, einen maßgeblichen Anteil. 

Eine besondere Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der eindrucksvollen Gründung von Startups, die in 2021 die stolze Zahl von nahezu 1 Mio. neuer Unternehmen erreichte, und die die sehr positive Aufbruchstimmung widerspiegelt, beizumessen.

Politisch war 2021 ein erstaunlich ruhiges, ausgeglichenes Jahr. Keine schlechte Ausgangsposition für die offiziell noch nicht erklärte Kandidatur von E. Macron für die kommende Präsidentschaftswahl im April 2022. Der Ausgang ist zwar weiterhin offen, wobei jedoch die Chancen für seine Wiederwahl sich nicht unwesentlich verbesserten. Die Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, aber auch die gute und sichere Führung durch die bisherige Corona-Pandemie haben Präsident Macron dabei starke Pluspunkte eingebracht. Ebenso könnte die derzeitige Konstellation bei den verschiedenen Präsidentschaftskandidaten, die sich teilweise gegenseitig eliminieren, eine nicht unwesentliche Rolle spielen. So wurde durch den Senkrechtstart des Rechtsextremisten Eric Zemmour die starke Position der dem gleichen Lager angehörenden Marie Le Pen in Frage gestellt und zusätzlich durch das Erwachen der Republikaner in der Person von Valérie Pécresse eine ganz neue Lage unter den Herausforderern von Emmanuel Macron hergestellt. 

Wie sieht es aber für das neue Jahr 2022 aus? Die gerade hochanlaufende, durch die Virenvariante Omikron entstandene neue Welle wird sicher nicht unmaßgebend kurzfristig die wirtschaftliche Weiterentwicklung beeinflussen. In welcher Weise die negativen Effekte vermindert werden können, bzw. wie hoch die Auswirkungen aber auf jeden Fall sein werden, ist im Augenblick noch völlig offen. Vor dem Bekanntwerden von Omikron gingen die französischen Ökonomen von einer weiteren anhaltenden Wachstumsphase aus. Dabei wurde für das erste Halbjahr ein Anstieg von 3% des BIPs und für das gesamte Jahr 2022 sogar von 4% vorgesehen. Und dies auch bei Weiterbestehen der bekannten Lücken auf der Angebotsseite, die durch den starken Konsum und anhaltenden Nachholbedarf gespeist werden. Des Weiteren wird auch von einem weiteren Rückgang bei der Arbeitslosigkeit ausgegangen. Die Prognosen gehen bis zum Halbjahresende 2022 von einem Stand von 7,6%, der sich dem von E. Macron ursprünglich angepeilten Niveau von 7% für seine Präsidentschaft annähert, aus. 

Die obigen Zahlen stehen unter dem Vorbehalt einer geglückten Bewältigung der neuen anrollenden Welle. Sie beruhen auf der derzeitigen Performance des Landes, die auch von der positiven Stimmung unter den Unternehmensleitern und den makroökonomischen Erwartungen im europäischen Umfeld bestätigt werden.

Der weiterhin bestehende Nachfrageüberhang, unterstützt durch die hohen Ersparnisse, die während der Covid-19-Periode (ca. 170 Mrd. €) angehäuft wurden, dürfte, trotz anhaltender Inflation, wachstumsfördernde Wirkung zeigen. Die große Unbekannte ist mehr denn je Omikron. Die zum Jahresende in Frankreich bestehenden Infektionszahlen sind erschreckend. Die Regierung ist bisher nur sehr zögerlich mit harten Einschränkungen dagegen vorgegangen. Es bleibt zu befürchten, dass dies aus politischen Gründen – in 100 Tagen sind die Präsidentschaftswahlen – sich auch weiterhin nicht grundlegend bzw. nicht rechtzeitig ändern wird. 

Ganz abgesehen von diesen Überlegungen könnte 2022 aber auch ein gutes Jahr für Europa werden. Frankreich übernimmt zum 1. Januar die Ratspräsidentschaft. Eine wichtige Position, um während der sechsmonatigen Führungsrolle die EU positiv weiterzubringen. E. Macron wird – bereits im eigenen Interesse – alles dafür tun, um dies zu erreichen. Auch für die deutsche Ampelregierung bestehen neue Chancen, gemeinsam mit den französischen Kollegen europäische Projekte weiterzubringen. Dabei sollte in erster Linie an der Vertiefung der bestehenden Konvergenzen gearbeitet werden, anstatt – von den Medien angestachelt – immer wieder die Divergenzen in den Vordergrund zu stellen. 

Frankreichs Schwächen, insbesondere die extrem hohe Verschuldung und oft mangelnde Budgetstrenge, sind hinreichend bekannt. Der Stabilitätspakt hat über viele Jahre gute Dienste geleistet und darf deshalb auch nicht aufgehoben werden. Es besteht aber auch kein Zweifel, dass er an die neuen Gegebenheiten anzupassen ist, ohne dabei sein vorrangiges Ziel aufgeben zu müssen. 

Beide Länder haben ein ureigenes Interesse, eine Lösung zu finden, die von beiden getragen und eingehalten werden kann. Nur wenn eine große Übereinstimmung zu den wesentlichen Punkten besteht, kann dies bei den anderen EU-Partnern überzeugend vorgetragen und durchgesetzt werden. 

Hoffen wir nunmehr, dass in 2022 ein neuer, von Vertrauen getragener Aufbruch in Europa erfolgt. Der Gleichschritt zwischen Deutschland und Frankreich spielt hierfür eine herausragende Rolle. 

Wir wünschen Ihnen ein gesundes, erfolgreiches, aber auch friedvolles Jahr.

Ihre Diagnostic News Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer 

kschlotthauer@coffra.fr

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