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Editorial: Coronavirus

Apr 1, 2020 | Aktuell, Covid-19 News, DiagnosticNews, Editorial

Eine Pandemie von unbekannten Ausmaßen hält seit nunmehr einem Monat die gesamte Welt außer Atem. Jeden Tag erreichen uns schlimmere Hiobsbotschaften als am Vortag. Die einzelnen europäischen Länder – entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten – einschließlich der europäischen Zentralbank haben beinahe nicht mehr vorstellbare Geldmittel und Unterstützungsmaßnahmen den Unternehmen an die Hand gegeben. 

Die Hauptsorge ist aber, Menschenleben zu retten. Die sanitären Anstrengungen laufen auf Hochtouren. Die vorhandenen Bettenkapazitäten sind in vielen Ländern bereits ausgeschöpft und die notwendigen Hilfsmittel (Beatmungsmaschinen, Masken, Desinfektionsmittel etc.) sind äußerst knapp geworden. Infolge steigt die Zahl der Infizierten und leider auch der Toten. 

In den meisten Ländern sind Ausgangssperren unterschiedlichster Art verhängt worden. Geschäftsschließungen mit Ausnahme der für die Lebensversorgung notwendigen Läden sind angeordnet. Das gesellschaftliche Leben außerhalb der privaten Wohnsphäre ist quasi zum Erliegen gekommen. 

Frankreich ist von dem Coronavirus besonders hart getroffen. Die bisherige hohe Todeszahl spricht eine deutliche Sprache. Eine Eindämmung ist nach Ansicht der hiesigen Wissenschaftler nur durch äußerst drastische Ausgangssperren, die sich wahrscheinlich – aus heutiger Sicht – noch bis Anfang Mai (Ende der Schulferien) erstrecken werden, zu erreichen. Gleichzeitig ist damit ein weitgehender Stillstand der französischen Wirtschaft von der Regierung in Kauf genommen worden. Umfangreiche Maßnahmen wie vorübergehende Stundungen von Steuer- und Sozialabgaben, großzügige Kurzarbeitsregelungen, Finanzierungsunterstützungen etc. wurden in die Wege geleitet. Wir berichteten und werden dies weiter tun, in zahlreichen Coffra-News-Mitteilungen. Unsere Büroräume mussten geschlossen werden, aber unsere gesamte Belegschaft arbeitet im Homeoffice und steht Ihnen wie gewohnt für Anfragen zur Verfügung. 

Die politischen Auseinandersetzungen innerhalb der verschiedenen politischen Lager sind ebenfalls zum Stillstand gekommen. Die heftig umkämpfte und nicht enden wollende Debatte um die Rentenreform ist vorläufig gestoppt. Das Vorhaben wurde bis auf Weiteres verschoben. Die noch vor einigen Tagen revidierten Zahlen der Regierung für das Budget 2020 sind in der Zwischenzeit bereits wieder zur Makulatur geworden. Etwas tröstlich dabei stimmt, dass die veröffentlichten, offiziellen Haushaltszahlen zu 2019 besser waren als die ursprünglich geplanten. So sank das Haushaltsdefizit des Budgets 2019 auf -2,1% – soweit der Sondereffekt, der durch die Doppelbelastung der Umstellung des „CICE“ (Steuergutschrift für die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Frankreich) auf eine permanente Sozialabgabenreduzierung eliminiert wird – gegenüber -2,3% im Vorjahr. Eine beachtliche Performance bei gleichzeitiger Berücksichtigung von einigen erfolgten Steuerreduzierungen in 2019 (wie z.B. Abschaffung der Wohnungssteuer). Hervorzuheben bleibt ebenfalls der nicht weitere Anstieg des hohen öffentlichen Schuldenberges, der Ende 2019 98,1% des BSP betrug und so die befürchtete 100%-Marke nicht überstieg. Die Regierung lehnt es im Augenblick – aus verständlichen Gründen – ab, präzise Aussagen zum Haushalt 2020 zu machen. Die entscheidende Voraussetzung dürfte u.a. sein, wie lange sanitäre Gründe einen Quasi-Stillstand der französischen Wirtschaft zur Folge haben. 

In der Zwischenzeit ist oberstes Krisenmanagement in den Unternehmen angesagt. Neben der Ausschöpfung des zur Verfügung stehenden Maßnahmenkatalogs muss die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Cash-Situation und die damit verbundenen Aktionen, ohne gleichzeitig sämtliche Lieferantenrechnungen zu stoppen, absolute Priorität haben. Ebenfalls ist die Motivation der physisch getrennt, im Homeoffice arbeitenden Mitarbeiter permanent zu hinterfragen, bzw. anzustacheln. Dabei ist auch der ständige Kontakt und Austausch mit dem Mutterhaus von großer Bedeutung. Der klare Kopf, die Verweigerung jeglicher Hysterie und sonstiger Horrorszenarien sind primordial. Es ist dringend zu empfehlen, über konkrete Pläne und Aktionen nach der Krise nachzudenken. Noch besser ist es, sie bereits heute zu entwickeln. Es wird mit Sicherheit ein „Nach der Krise“ geben. Nur wissen wir nicht, wann dieser Zeitpunkt sein wird, noch viel weniger, wie das „Nach“ sich darstellen wird. 

Aber wir können uns darauf vorbereiten und viele Eventualsituationen positiv antizipieren. Die französische Regierung hat in diesem Zusammenhang bereits Maßnahmen, wie die vorübergehende Erlaubnis zur 60-Stundenwoche sowie die Erleichterung zur Sonntagsarbeit angekündigt. 

Den Kopf in den Sand stecken und sich in fatalistische, depressive Stimmungslagen zu versetzen, verschlimmert nur unseren derzeitigen angegriffenen Gemütszustand. Nur der positive, nach vorne gerichtete Blick hilft uns, einen Sinn für unser Dasein zu geben und eine Motivation fürs Weitermachen zu finden. 

Wir wünschen Ihnen viel Kraft bei der Bewältigung der Coronakrise. Befolgen Sie skrupellos die sanitären Anweisungen und verhalten Sie sich solidarisch, denn nur zusammen können wir diese ungeheure Herausforderung bezwingen.

Bleiben sie gesund, wünscht Ihnen 

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer 

kschlotthauer@coffra.fr

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