Lieber Leser,

zumindest der französische Präsident verbreitet ihn unentwegt. Seine Sommerferien, auf die er bis auf eine Woche verzichtete, benutzte er für Aufmunterungsreisen durch die französischen Provinzen: „Der Negativtrend ist definitiv gestoppt, es geht nicht mehr abwärts“ wurde den erstaunten Zuhörern eingehämmert.

Tatsächlich, trotz vieler kritischer Stimmen und entsprechender Zahlen, gibt es erste leichte positive Anzeichen. Das statistische Amt („INSEE“) errechnete für das zweite Quartal 2013 ein Wachstum von 0,5%; erstmalig seit sechs Quartalen wieder eine und sogar beachtliche Steigerung. Auch die Halbjahreszahlen 2013 der börsennotierten französischen Unternehmen weisen respektable Ergebnisse aus, und die Börsenkurse Mitte August haben einen Jahreshöchststand erreicht. Seit vielen Jahren ist der chronisch negative Handelsbilanzsaldo nicht mehr gestiegen, sondern sogar leicht rückfällig.

Die Regierung braucht unbedingt positive Signale, um bei der weiterhin bestehenden pessimistischen Grundstimmung die vielen absolut notwendigen Vorhaben im Herbst 2013 in Angriff nehmen zu können. So sind u.a. die noch brisante Rentenreform und die langfristige Absicherung des stark defizitären Sozialversicherungssystems umzusetzen. Leider wird es wiederum nicht ohne Erhöhung von Abgaben/Steuern gehen. Viele Pisten sind schon öffentlich diskutiert worden. Die auf den 1. Januar 2014 schon seit einiger Zeit festgelegte Mehrwertsteueranhebung ist aber bereits für die Auffüllung anderer Löcher verplant.

Und zu guter Letzt kommen auch noch die etwas verwirrenden Augustäußerungen des Finanzministers, der nur geringe Aussichten auf Wachstum im zweiten Halbjahr 2013 ankündigt. Nicht unbedingt die beste Ausgangslage für allzu viel Optimismus – aber schauen wir mal.

Wir wünschen Ihnen einen angenehme Lektüre und einige Anregungen.

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer