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Die Problematik der Verrechnungspreise verschärft sich durch Covid-19

Jun 2, 2020 | Aktuell

Eine Antizipation der zu erwartenden Folgen ist dringend angeraten

Die Verrechnungspreise werden in Zukunft – noch mehr als dies bisher der Fall war – unter die Lupe der Finanzverwaltung geraten. Drei Gründe veranlassen besonders in der Covid-19-Periode zu dieser Annahme:

1. Alle Regierungen sind in Anbetracht ihrer leeren Kassen gezwungen, nach zusätzlichen Einkünften Ausschau zu halten.

2. Die Prüfung der Verrechnungspreise hat sich in den letzten Jahren für die Steuerverwaltung als ein sehr einträgliches Geschäft in Form von hohen Steuernachzahlungen erwiesen.

3. Die gerechte Aufteilung der Ergebnisse von internationalen Konzernen, die sich in verschiedenen Rechtsgebieten bewegen, stellt ein sensibles Thema für die Mitbürger und Regierungen dar. Der Kampf gegen die Erosion der Steuerbasen der verschiedenen Länder ist dabei zu einer politischen Priorität geworden.

Nachstehend haben wir mehrere Problemfelder identifiziert, die von den Unternehmen kurz- oder auch mittelfristig bei dem Thema Verrechnungspreise anzugehen sind.

Zunächst sollte die hohe Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs der steuerlichen Betriebsprüfungen zu den Verrechnungspreisen die Unternehmen bewegen, ihre bisherige Politik auf diesem Gebiet zu überprüfen und zu untersuchen, inwieweit ihre Vorgehensweise und ihre Dokumentation mit den Gesetzesvorschriften und dem Prinzip des freien Wettbewerbs übereinstimmen. So wäre es z.B. angebracht, die gewählten Methoden auf ihre Stichhaltigkeit nochmals zu überprüfen und ihre Anwendung, ihre Abstimmung sowie die durchzuführenden Tests zu analysieren. Des Weiteren sollte sichergestellt werden, dass die Dokumentation stimmig und umfassend ist und sich auf dem letzten Stand befindet. Dabei ist ebenfalls darauf zu achten, dass die bestehenden Verträge mit der Verrechnungspreisdokumentation übereinstimmen.

Im Falle von hohen Verlusten innerhalb einer Unternehmensgruppe könnte die von einem Unternehmen gewählte Verrechnungspreismethode gewisse Anpassungen notwendig machen, um allzu große Ungleichgewichte zu vermeiden. Dabei könnten die Unternehmen gezwungen sein, zu analysieren, wie die Folgen der Krise hinsichtlich der Verteilung der Risiken und Funktionen im Verhältnis zu ihren Zielen zu würdigen sind. Daraus folgend wären auch die Dokumentation der Verrechnungspreise und die entsprechenden Verträge zu berichtigen.

Über die formalen Aspekte der Dokumentation hinausgehend sollten bereits heute alle Elemente, die bei einem späteren Einwand der Steuerverwaltung im Rahmen einer Prüfung, die höchstwahrscheinlich erst in einigen Jahren stattfinden wird, entgegengehalten werden könnten, gesammelt werden.

Hierzu einige Beispiele:

  • Nachweise für die Verschlechterung der Konjunkturlage,
  • zahlenmäßige Auswirkung auf den Aktivitätsbereich des Unternehmens und der Muttergesellschaft,
  • getroffene Entscheidungen, die sich im Hinblick auf das Krisenmanagement der lokalen Gesellschaften ergaben,
  • eingehende Analysen von Unternehmen, die vergleichbare Panels für ein Benchmark bilden, um damit den Margensatz der Konzernunternehmen besser rechtfertigen zu können,
  • Wahl des richtigen Zeitpunkts für die Finanzdaten,
  • Analyse der Margen für eine Dauer, die möglicherweise länger als ein Fiskaljahr sein sollte, … .

Letztendlich könnte Covid-19 die Konzerne anregen, Reorganisationen, Restrukturierungen oder auch Rückführungen von einzelnen Unternehmensbereichen ins Auge zu fassen, die zu einer Verlagerung von Funktionen, Risiken oder Vermögenswerten zwischen den Gesellschaften dieser Konzerne führen würden. Soweit solche Vorgänge schlecht eingeleitet werden, können sie zu erheblichen Steuerfolgen führen sowohl in Frankreich als auch im Ausland.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Steuerrisiken, die sich zwangsläufig aus Covid-19 ergeben, in einem überschaubaren Rahmen gehalten werden können; dies setzt jedoch voraus, dass eine effektive Vorwegnahme und strategische Behandlung einer künftigen Betriebsprüfung erfolgt sowie eine spezifische, gut strukturierte Dokumentation vorbereitet wird.

Stéphane THOMAS

Avocat Fiscaliste

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