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Die dominierende Präsidentenrolle (PDG) in den französischen Börsengesellschaften wird zunehmend in Frage gestellt

Jun 1, 2021 | DiagnosticNews, Handelsrecht

Das duale System setzt sich immer mehr durch

Das französische Aktiengesetz lässt den Unternehmen die freie Wahl bei der Festlegung ihrer Führungsorganisation. Im klassischen monistischen PDG-System vereinigt der „Président Directeur Général“ (PDG) in einer Person beide Funktionen, also sowohl die des Präsidenten des Verwaltungsrates („Conseil d’Administration“) als auch die des Generaldirektors („Directeur Général“ – DG) als Leiter des operativen Geschäfts. Im Gegensatz hierzu steht das aus dem deutschen Recht übernommene System von Vorstand („Directoire“) und Aufsichtsrat („Conseil de Surveillance“), das aber in Frankreich nur wenige Nachahmer fand. 

Seit einigen Jahren findet nun das modifizierte monistische System, das die Leitung des „Conseil d’Administration“ und die der „Direction Générale“ in getrennte Hände legt, immer häufiger Anwendung. Der „Conseil d’Administration“ bestimmt die Orientierung und die Strategie der Gesellschaft, wobei die „Direction Générale“ – in den meisten Fällen durch ein Exekutivkomitee unterstützt – die operative Geschäftsleitung ausübt. 

Der Präsident des „Conseil d’Administration“ übt eine verwaltende und animierende Rolle aus: Er lädt zu den „Conseil“-Sitzungen ein, stellt die Tagesordnung zusammen und leitet die Diskussionsdebatten. Er verfügt über kein eigenständiges Entscheidungsrecht. Der Verwaltungsrat ist ein kollegiales Gremium, in dem der Präsident nur die Rechte eines einfachen Verwaltungsratsmitglieds besitzt. 

In den letzten Jahren hat das modifizierte monistische System, insbesondere bei der Nachfolge und dem Übergang von einem langjährigen, „starken“ PDG auf den neuen Amtsinhaber nochmals großen Zulauf erhalten, wie z.B. bei dem internationalen Baukonzern Bouygues oder bei dem Kosmetikweltmarktführer L’Oréal oder auch bei der geplanten Übergabe beim Rückversicherungskonzern SCOR, um nur einige Fälle der jüngeren Vergangenheit zu nennen. Indem der bisherige PDG in die neue Rolle eines „non-executive“ Präsidenten schlüpft und die operative Geschäftsführung dem neuen „Directeur Général“ überlässt, soll ein gleitender Übergang unter Beibehaltung einer größtmöglichen Kontinuität sichergestellt werden. 

Es besteht weiterhin die offene Diskussion, ob die starke PDG-Stellung nicht effizienter ist und grundsätzlich besser erlaubt, die Entscheidungsabläufe zu verkürzen sowie natürlich bestehende Konflikte zwischen Präsident und DG zu vermeiden. Letztlich bleibt noch zu erwähnen, dass das monistische System aber grundsätzlich mehr dem französischen Führungsstil des „Patron“ entspricht und deshalb auch in Zukunft über eine gewisse Anhängerschaft verfügen wird. Dabei spielen Imagefragen auch eine nicht unwesentliche Rolle. 

Derzeitig verfügen bereits mehr als 50% der im „CAC 40“- und der „SBF 120“ gelisteten Unternehmen über eine duale Führungsorganisation. 

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