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Das Ende der Kaderschule „ENA“

Mai 4, 2021 | Aktuell, DiagnosticNews

Ein Symbol für den französischen Elitismus verschwindet

Umbau des staatlichen Verwaltungsapparates

Bereits im April 2019 hatte Präsident Macron angekündigt, die „Ecole Nationale d’Administration“ („ENA“), die Kaderschmiede für die französische Elite – insbesondere für die höchsten Posten im öffentlichen Dienst –, abzuschaffen. Niemand hatte mehr mit der Umsetzung dieses ursprünglich von der Gelbwestenbewegung geforderten Vorhabens noch in dieser Legislaturperiode gerechnet. Die in der Zwischenzeit ausgearbeiteten Lösungsvorschläge zu einer eventuellen Umgestaltung der „ENA“ waren vom Präsidenten verworfen worden. Nunmehr geht es um die definitive Abschaffung eines geschichtsträchtigen und mit so vielen Vorurteilen belasteten französischen Symbols, das laut Emmanuel Macron nicht mehr der Gesellschaft, in der wir leben, entspricht. 

Das für die Ausbildung der zukünftigen hohen Verwaltungsbeamten vorgesehene Institut für den öffentlichen Dienst („Institut du Service Public“ – „ISP“), soll tiefgreifend sowohl die Art der Ausbildung, als auch den Werdegang der Anwärter auf die hohen Verwaltungsposten ändern. Der bisherigen Praxis, den Jahrgangsbesten der „ENA“ automatisch den Zugang in die höchsten Staatsstellen („Grands Corps d’Etat“) wie die Finanzinspektion, den Staatsrat oder auch den Rechnungshof zu gewähren, wird damit definitiv ein Ende bereitet. Die Abgänger des „ISP“ sollen nun alle zunächst einem neu gebildeten Korps von „staatlichen Administratoren“ angehören. Erst nach einer mehrjährigen Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung und einem transparenten Auswahlverfahren soll ihnen der Zugang zu den höchsten Dienststellen des Staates ermöglicht werden. 

Einen Teil ihres Ausbildungsprogramms wird das „ISP“ mit 13 anderen bestehenden Verwaltungsschulen für den öffentlichen Dienst teilen; damit sollen größere Gemeinsamkeiten zwischen den Ausbildungseinrichtungen begründet, aber auch das Klassendenken des ein oder anderen Instituts stark verändert werden. 

Es geht Präsident Macron um viel mehr als die bloße Abschaffung einer „problematischen“ Eliteschule, die in ganz besonderer Weise durch ihr Auswahl-, Ausbildungs- und Karrieresystem zum öffentlichen Zankapfel wurde. Die Auflösung von anderen Eliteschulen („Grandes Ecoles“), denen teilweise ähnliche Schwächen vorgeworfen werden, steht aber derzeitig nicht zur Debatte. 

Emmanuel Macron geht es um tiefgreifende Änderungen innerhalb des höheren öffentlichen Dienstes. Durch transparente offene Auswahlverfahren und praxisorientierte Ausbildungsprogramme möchte er eine größere Effizienz und eine dringend notwendige Anpassung an die Anforderungen einer modernen Gesellschaft bei den Beamten erreichen. 

Mit dem Umbau des Staatsapparats hat sich Emmanuel Macron am Ende seiner Präsidentschaft nochmals ein gewaltiges, sicherlich viel Kritik auslösendes Reformvorhaben auf sein Banner gesetzt. Damit möchte er aber auch zeigen, dass sein Reformeifer selbst in einer Hochphase der Pandemiebekämpfung nicht erloschen ist, und gleichzeitig für den bald einsetzenden Wahlkampf (die Wahl ist im Mai 2022) ein wichtiges Zeichen setzen. Die Abschaffung der „ENA“ hat dabei nur einen Symbolcharakter. 

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