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Coronavirus: Auswirkungen auf den Jahresabschluss 31. Dezember 2019

Mai 5, 2020 | DiagnosticNews, Handelsrecht

Obligatorische Angaben im Anhang

Covid-19 und die sich daraus ergebenden Auswirkungen sind Ereignisse, die nach dem Stichtag des Jahresabschlusses per 31. Dezember 2019 eingetreten sind. Es erhebt sich die Frage, in welcher Weise sie im Abschluss 2019 zu berücksichtigen sind. 

Dies könnte dann der Fall sein, wenn dieses Ereignis (Covid-19) bereits vor dem Bilanzstichtag (31. Dezember 2019) bekannt und zu diesem Zeitpunkt daraus gravierende wirtschaftliche Folgen für die Zukunft zu befürchten gewesen wären. Diese Situation bestand jedoch Ende Dezember 2019 noch nicht; die Weltgesundheitsorganisation kündigte zu diesem Zeitpunkt lediglich die Infektion eines limitierten Personenkreises durch einen bis dato unbekannten Virus an. Die spätere Ausbreitung des Virus und seine Identifikation als Coronavirus (Covid-19) stellten damit keine zusätzlichen Elemente dar, die zu einer anderen Würdigung der Situation zum 31. Dezember 2019 berechtigen. Die Bewertung der Aktiva und Passiva des Jahresabschlusses 2019 sind infolgedessen nicht zu verändern. 

Eine andere Behandlung könnte sich jedoch dann ergeben, wenn sich durch den Covid-19 neuere Erkenntnisse zu den im Jahresabschluss 2019 ausgewiesenen Positionen ergeben. Als Beispiel ist an den Konkurs eines Kunden nach Bilanzstichtag zu denken, dessen bereits bestehende angezweifelte Kreditwürdigkeit durch die Coronavirus-Situation definitiv bestätigt wurde. In diesem Fall ist die im Abschluss 2019 ausgewiesene Kundenforderung beeinträchtigt und entsprechend anzupassen. 

Eindeutig ist die Behandlung im Anhang. Hier sind die eventuellen Auswirkungen des Covid-19 auf die wichtigen Bilanzpositionen zu ermitteln. Zu den erwähnungspflichtigen Angaben gehören auch die Einflüsse auf die Umsätze, auf die Bank „covenants“ und – soweit bestehend – die Kosten für eventuelle Kurzarbeit. Die gleichen Verpflichtungen bestehen natürlich auch für den Anhang zu der Konzernbilanz 31. Dezember 2019.

Soweit durch den Covid-19 die Fortführung der Gesellschaft ernsthaft bedroht ist, erhebt sich die Frage, ob nicht bereits die Bilanzansätze des Jahresabschlusses 2019 zu Liquidationswerten zu ermitteln sind. 

Die französischen Rechnungslegungsgrundsätze sind hierzu klar: Soweit es sich um Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, die keine Verbindung mit der Situation zum Bilanzstichtag – wie oben ausgeführt – hatten, handelt, besteht keine Verpflichtung, die Bilanzansätze zu verändern. Hingegen ist hierüber im Anhang zwingend zu berichten. 

Im Gegensatz hierzu sehen die internationalen Bilanzierungsregeln der IFRS (Norme IAS10) vor, soweit die Fortführung der Gesellschaft in Frage gestellt ist, und zwar auch im Falle von nach dem Bilanzstichtag eingetretenen Ereignissen, die Bilanzansätze entsprechend anzupassen. Soweit die Konzernabschlüsse nach den Prinzipien der IFRS erstellt werden, ergibt sich damit eine Divergenz zwischen nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften. 

Abschließend ist noch darauf hinzuweisen, dass die Jahresabschlüsse mit einem Bilanzstichtag nach dem 30. Januar 2020 natürlich die Auswirkungen des Covid-19 berücksichtigen müssen. 

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