Effektive Nutzung der Wohnung für Arbeitszwecke

Entschädigungsrecht des Mitarbeiters

Der Regionalleiter eines Unternehmens forderte eine Entschädigungsleistung für die Nutzung seiner Wohnung für berufliche Zwecke. Er machte hierzu geltend, über kein eigenes Büro zu verfügen, um seine Kundenakten zu bearbeiten und ablegen zu können. Darüber hinaus würde er sich von seiner Wohnung in die Daten und Informationen des Unternehmens einwählen, seine elektronischen Nachrichten lesen und diese beantworten.

Der Kassationsgerichtshof (Urteil vom 12. Dezember 2012) entsprach der Klage: Ein Mitarbeiter kann für die Nutzung seines Wohnsitzes für berufliche Zwecke dann eine Entschädigung beanspruchen, wenn ihm tatsächlich kein eigener beruflicher Raum zur Verfügung gestellt wurde. Dabei wäre es unerheblich, wie der beklagte Arbeitgeber im vorliegenden Fall vorträgt, dass dem Arbeitnehmer selbst ein Arbeitsraum mit Telefon und Anschluss vorgeschlagen und von diesem abgelehnt worden sei. Entscheidend sei die tatsächliche Situation beim Mitarbeiter: Wenn dieser über keinen beruflichen Arbeitsraum verfügt und diese Tatsache dazu geführt habe, dass er in seiner Wohnung beruflich tätig war, dann müsse er für diese besondere Lage entschädigt werden.

Die Entschädigungspflicht für die Nutzung der Wohnung des Arbeitnehmers wurde bereits in einer früheren Entscheidung des Kassationsgerichtshofes behandelt. In dem damaligen Sachverhalt hatte jedoch der Arbeitnehmer auf Anfrage des Arbeitgebers akzeptiert, an seinem Wohnsitz zu arbeiten.

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Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von Coffra. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er Coffra. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die Coffra heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.