Umwandlung einer normalen Aktiengesellschaft „SA“ in eine „SAS“

Der Bericht des gesetzlichen Abschlussprüfers ist unabdingbar.

Nachstehend geht es um die Frage, ob die Umwandlung der normalen Aktiengesellschaft („SA“) in die vereinfachte Aktiengesellschaft („SAS“) das Vorliegen eines Berichts des gesetzlichen Abschlussprüfers („CAC“) notwendig macht und des Weiteren, ob die Umwandlung, soweit kein Bericht erstellt wird, nichtig ist.  

„ANSA“, die nationale Vereinigung der Aktiengesellschaften, hat hierzu in einer Stellungnahme vom 5. Juni 2019 Position bezogen. Bevor hierauf eingegangen wird, soll zunächst noch zusammenfassend ein Überblick über die bestehende Gesetzeslage zu den beiden Fragen gegeben werden: 

Nach Art. L. 225-244 des Handelsgesetzbuches („Code de Commerce“, „CC“) muss jede Entscheidung über die Umwandlung einer „SA“ in eine „SAS“ auf der Basis des Berichts des gesetzlichen Abschlussprüfers erfolgen, soweit die Gesellschaft eines solchen bedarf. Der „CAC“ muss in seinem Bericht bestätigen, dass das Eigenkapital zumindest der Hälfte des Grundkapitals entspricht. 

In einer anderen Gesetzesbestimmung (Art. L 235-1 al 1er) des „Code de Commerce“ wird ausgeführt, dass die Gültigkeit einer Satzungsänderung – und dazu gehöre die Umwandlung einer ‚SA‘ in eine ‚SAS‘ – nur dann in Frage zu stellen ist, wenn das Gesetz in einem solchen Fall die Nichtigkeit ausdrücklich vorsieht, was für die Umwandlung nicht zutrifft. 

Zusätzlich bleiben noch zwei weitere Artikel des französischen Handelsgesetzbuches (L. 225-115 und L 225-121 al. 2) zu nennen, die im Zusammenhang mit dem Problemkreis stehen: Danach hat jeder Aktionär das Recht auf Kenntnisnahme der der Hauptversammlung vorliegenden Berichte und, soweit ihm dies versagt wird, kann die Hauptversammlung für nichtig erklärt werden. 

Unter Bezugnahme auf die obige Gesetzeslage kommt nun „ANSA“ in ihrer Stellungnahme zu folgendem Ergebnis: Der Bericht des Abschlussprüfers, soweit im Einzelfall die Gesellschaft eines „CAC“ bedarf, ist für eine Umwandlung unabdingbar. Bei Nichtvorliegen könnte ansonsten das Informationsrecht der Aktionäre als nicht ausreichend gewährleistet angesehen werden. 

Hinsichtlich der rechtlichen Gültigkeit der Umwandlung trotz Nichtvorliegens eines Berichts vertritt hingegen „ANSA“ die Auffassung, dass sie nicht in Frage zu stellen ist, soweit die gesetzliche Bedingung, dass das Eigenkapital nicht geringer als die Hälfte des Gesellschaftskapitals sein darf, erfüllt ist.


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Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von COFFRA. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er COFFRA. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die COFFRA heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.