Rückstellungshöhe für die Gutscheine von übernommenen Patenschaften neuer Kunden

Die Handelsspanne bleibt unberücksichtigt

Folgender Sachverhalt lag dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Versailles vom 14. Mai 2019 zugrunde: Eine Gesellschaft verkaufte ihre Artikel über das Internet ausschließlich an die Mitglieder ihrer Webseite. Hierzu hatte das Unternehmen ein Gutscheinsystem eingerichtet, nach dem es den bestehenden Kunden für die Übernahme von Patenschaften an neuen Kunden einen Gutschein in Höhe von 8 € gewährte. Der Gutschein konnte auf einen zukünftigen Kauf angerechnet werden.

Die Gesellschaft bildete in ihrem Jahresabschluss eine Rückstellung, um die Verpflichtungen, die in der Einlösung der ausgegebenen Gutscheine durch die Empfänger bestand, abzudecken. Wertmäßig wurde dabei die Höhe des versprochenen Gutscheines (8 €) angesetzt. 

Die Finanzverwaltung lehnte diese Berechnungsweise ab und reduzierte die Rückstellungshöhe um die Handelsspanne des Unternehmens. 

Das Oberverwaltungsgericht folgte der Ansicht der Steuerbehörde: Die Gutscheine für übernommene Patenschaften sind danach wie solche für Einkäufe und Geschenke zu behandeln. Die hierzu erfolgten Rückstellungen müssen bei ihrer wertmäßigen Bildung um die Handelsspanne des Unternehmens gekürzt werden.

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Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von COFFRA. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er COFFRA. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die COFFRA heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.