Steuer- und abgabenbefreite Jahresperiode

Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um acht Tage

Ein unverheirateter, kinderloser, französischer Arbeitnehmer musste dieses Jahr im Durchschnitt bis zum 18. Juli 2019 arbeiten, um für seine Jahresbelastung an Steuern und Sozialabgaben aufzukommen. Ab diesem Zeitpunkt kann er über sein Arbeitseinkommen frei von diesen Belastungen verfügen. Dies stellt eine Verbesserung von acht Tagen gegenüber dem Vorjahr dar, in dem ihm die freie Nutzung seines Arbeitslohnes erst ab dem 27. Juli zustand. 

So das Ergebnis des Instituts Molinari (IEM), das jährlich eine vergleichende Untersuchung für alle Mitgliedstaaten der EU durchführt und jeweils den steuer- und abgabenbefreiten Jahrestag für das obige Fallbeispiel ermittelt. 

Bei dem Steuervergleich wurde das Bruttogehalt zuzüglich Sozialabgaben (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil), Lohnsteuer und Mehrwertsteuer – berechnet auf einem durchschnittlichen Konsum – zugrunde gelegt. 

Nach dem vom Institut Molinari für Frankreich errechneten Beispiel wurde ein Superbruttogehalt für 2019 festgelegt und nach Abzug der hiervon zu zahlenden Belastungen ein verfügbares Nettogehalt für den Arbeitnehmer ermittelt. Nachstehend die zahlenmäßige Zusammensetzung:

Superbruttogehalt55.158 €
davon zu zahlende Belastungen:
– Arbeitgeber Sozialabgaben:16.576 €
– Arbeitnehmer Sozialabgaben:9.161 €
– Lohnsteuer:2.715 €
– Geschätzte MwSt.:1.736 €
30.188 €
Fei verfügbares Gehalt:24.970 €

Frankreich rangiert weiterhin – nunmehr zusammen mit Österreich – an letzter Stelle innerhalb der EU. Im Vergleich zu Deutschland fällt dort der abgabenbefreite Tag auf den 5. Juli. 

Das schlechte Ranking von Frankreich beruht auf den enormen Sozialabgaben, mit denen die Arbeitseinkünfte belastet werden. So entfallen bei einem Betrag von 100 € der obigen Gesamtbelastung in Frankreich 85 € auf Sozialabgaben, wohingegen in Deutschland der Anteil bei 66 € und in der EU der Durchschnitt bei 60 € liegt. 

Die hohen französischen Sozialbelastungen sind strukturell bedingt und werden durch sehr großzügige Sozialleistungen, die sich über alle Bereiche insbesondere auch die Renten erstrecken, begründet. Letztere sind derzeitig Gegenstand der umfangreichen Reformvorhaben mit den bekannten Schwierigkeiten. 

Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von COFFRA. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er COFFRA. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die COFFRA heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.