Höhere Steuersätze führen nicht unbedingt zu höheren Steuereinnahmen

Beispiel: Die Umstellung der Besteuerung von Dividendenerträgen

Die Regierung Hollande unterwarf die Einkünfte aus Dividenden und Zinsen der progressiven Einkommensteuer. Damit wurden diese Einkünfte neben Sozialsteuern (u.a. „CSG“ und „CRDS“) von damals 15,5% (inzwischen auf 17,2% erhöht) noch mit der individuellen Einkommensteuer, deren Sätze sich von 14% bis 45% belaufen, belegt.Diese Maßnahme, die beim Spitzensatz (45%) eine Gesamtsteuerbelastung von 60,5% zur Folge hatte, führte zu einem starken Rückgang der Kapitalmarktbewegungen und zu einer erheblichen Reduzierung der Dividendenausschüttungen. 

Seit dem 1. Januar 2018 besteht nunmehr eine Pauschalversteuerung (Flattax) der Dividendenerträge in Höhe von 30% wofür u.a. auch Emmanuel Macron als Unterstützer der „Reichen“ angeprangert wurde. 

Nach den neuesten Angaben der Finanzverwaltung führte die neue Maßnahme für das erste Fiskaljahr 2018 zu einem erstaunlich guten Ergebnis: Zum einen ergab sich ein höherer Steuerertrag als dies im Haushaltsbudget 2018 vorgesehen war und zum anderen – was noch viel verwunderlicher war – wurden, im Vergleich zu der alten, progressiven Besteuerung, durch die geringere Flattax ein größeres Steuervolumen erzielt. 

Der geringere Steuersatz führte zu einer Ankurbelung der Dividendenausschüttungen, die wiederum höhere Steuereinnahmen mit sich führten. Die gleiche Entwicklung war auch durch die staatliche Statistikbehörde („Insee“) festgestellt worden, die eine Steigerung der Dividendenausschüttungen in 2018 an die Haushalte von 24% vermerkte, wobei ihre Schätzungen nur von 12% ausgingen. Dabei ist natürlich anzumerken, dass diese außerordentliche Steigerung nicht nur durch steuerliche Aspekte bedingt war. 

Trotzdem wird eine alte wirtschaftliche Binsenweisheit: „zu hohe Steuern können zu geringeren Steuereinnahmen führen“, eindrucksvoll bestätigt. 

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Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von COFFRA. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er COFFRA. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die COFFRA heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.