Frankreich hat die meisten Frauen in seinen Aufsichtsgremien

In den Vorständen sieht es anders aus

Das Gesetz „Copé-Zimmermann“ von 2011, das die obligatorische Anzahl an Frauen in den französischen Aufsichts-/Verwaltungsräten festlegt, ist ein voller Erfolg. Zum 1. Januar 2019 musste nach diesem Gesetz bei mehr als 10.000 französischen Unternehmen der Frauenanteil in ihren Verwaltungsräten bei 40% liegen. 

Diese Hürde wurde nun sicher genommen. Nach einer Mitteilung von Ethics & Boards, einer Beobachtungsstelle über die Verhaltensweisen der börsennotierten Unternehmen, weisen die Verwaltungsräte dieser Unternehmen 43,6% an Frauen aus. 23 Gesellschaften kommen sogar auf einen weiblichen Anteil in ihren Überwachungsorganen von 50% – wobei es Weltfirmen wie Sodeco, Kering, Ipsos oder CGG auf einen Prozentsatz an Frauen von 60% bringen. 

Anders hingegen sieht es bei den kleinen und mittleren Gesellschaften aus. Das oben genannte Gesetz findet nämlich auf alle Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von mehr als 50 Mio. € Anwendung. 

Hier wurde die Vorschrift bisher noch nicht erfüllt. Nach einer Untersuchung von Afeca, einer Vereinigung von weiblichen, französischen Wirtschaftsprüfern, lag der Frauenanteil im Juni 2017 bei Gesellschaften mit einem Börsenwert von weniger als 150 Mio. € erst bei 28,3%. Danach müssten – so Afeca – 160 Frauen für die Aufsichtsgremien der Gesellschaften des „mid cap“ und 220 für die des „small cap“ angeheuert werden, um die gesetzliche Vorschrift zu erfüllen. 

Die positive Bilanz hinsichtlich der Frauenvertretung in den Verwaltungsräten, die sicherlich durch das „Loi Copé-Zimmermann“ und die damit verbundenen Sanktionen stark gefördert wurde, hat bisher noch nicht zu einer ähnlichen Entwicklung in den Vorständen und Exekutivkomitees geführt. Der Frauenanteil in diesen Gremien liegt bisher nur bei 17,9%, wobei lediglich eine weibliche Person es auch bis zum Präsidenten („PDG“) schaffte. 

Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von COFFRA. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er COFFRA. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die COFFRA heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.