Verkauf einer Gesellschaft für 1 €

Berücksichtigung von Gegenleistungen

Der Alleingesellschafter verkaufte sämtliche von ihm an der Gesellschaft gehaltenen 3.000 Anteile, die auf einen Nominalwert von 10 € pro Anteil lauteten, zu einem symbolischen Gesamtwert von 1 €. Der Verkauf sah darüber hinaus die Einhaltung und Übernahme von festgelegten Verpflichtungen sowohl durch den Käufer als auch den Verkäufer vor. Einige Zeit später bedauerte der Verkäufer, seine Anteile zu einem zu niedrigen Preis verkauft zu haben und beantragte die gerichtliche Annullierung des Kaufvertrags. 

Das angerufene Gericht stellte fest, dass der Abtretungsvertrag für den Käufer die Übernahme von wesentlich höheren Verpflichtungen vorsah als für den Verkäufer. Da nach Auffassung des Gerichts damit der Verkauf nicht ohne Gegenleistungen zugunsten des Verkäufers erfolgte, lehnte es eine Vertragsaufhebung ab.

Das Kassationsgericht schloss sich mit Urteil vom 10. Oktober 2018 dieser Auffassung an. 

In der Praxis sind Verkäufe von Unternehmen zu einem symbolischen Wert von 1 € nicht selten anzutreffen. Oft handelt es sich um stark verschuldete Gesellschaften, bei denen der Verkäufer auch als Bürge engagiert war. Der Käufer akzeptiert in solchen Fällen in der Regel, das Unternehmen wieder kreditfähig zu machen und tritt gleichzeitig auch in die Bürgenstellung. Im Gegenzug wird dann die Gesellschaftsübernahme für 1 € vereinbart.

Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von COFFRA. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er COFFRA. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die COFFRA heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.