Gleichbehandlung von weiblichen und männlichen Mitarbeitern

Neue Informationspflichten für Unternehmen mit mindestens 1.000 Arbeitnehmern

Durch das Gesetz vom 5. September 2018 wurde in Frankreich ein Meilenstein gesetzt, um die Gleichbehandlung von weiblichen und männlichen Mitarbeitern weiter voranzutreiben. Aus den statistischen Unterlagen geht hervor, dass bei gleichem Alter und gleichem Arbeitsposten berufstätige Frauen in Frankreich eine um 9% geringere Vergütung als ihre männlichen Arbeitskollegen erhalten. Bei einem generellen Vergleich zwischen dem Arbeitslohn von allen Frauen und Männern ergibt sich sogar ein Unterschiedsbetrag von 25%.

Das neue Gesetz soll dies grundlegend ändern. Hierzu wurde ein Indexverfahren eingeführt, das auf fünf Kriterien, bei deren Erfüllung insgesamt maximal 100 Punkte gewährt werden, basiert. Die Inhalte der Kriterien und die auf sie zu verteilenden Punkte stellen sich wie folgt dar:

Maximalpunktzahl
40Vergütung zwischen den beiden Geschlechtern für den gleichen Posten und bei gleichem Alter
20Individuelle Gehaltserhöhung 
15Gleichbehandlung bei der Beförderung
15Gehaltsanpassungen nach Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub
10Bezüge der höchstbezahlten Gehaltsempfängern, unter denen sich mindestens vier Frauen befinden
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100

In einem ersten Stadium sind nur Gesellschaften mit mindestens 1.000 Mitarbeiter zur Ermittlung der Indexzahl in ihrem Unternehmen verpflichtet. Diese muss auf ihrer Internetseite veröffentlicht werden. Der späteste Veröffentlichungstermin war der 1. März 2019. Nach den bisherigen Angaben des Arbeitsministeriums lag zum 5. März 2019 nur für ca. 800 von 1.460 betroffenen Unternehmen die ermittelte Indexzahl vor. Eine erste Auswertung der Veröffentlichung ergab einen durchschnittlichen Index von 80. Ein nicht allzu schlechtes Ergebnis bei Berücksichtigung der kurzen Gesetzesfristen – die Durchführungserlasse lagen erst Ende Januar 2019 vor – sowie des erheblichen Arbeitsaufwands in den Unternehmen, um die Vergleichszahlen zu ermitteln. 

Soweit die Indexzahl unter der Mindestpunktzahl von 75 liegt, wird eine Dreijahresfrist gewährt, um sie zu erreichen. Bei Nichterfüllung innerhalb dieser Periode drohen hohe Strafen, die sich auf bis zu 1% der gesamten Gehaltssumme des Unternehmens belaufen können. 

Die obigen Verpflichtungen werden sukzessive auch auf kleinere Unternehmen ausgedehnt. So sind Gesellschaften mit 250 Mitarbeitern bereits zum 1. September 2019 und solche mit nur 50 ab dem 1. März 2020 von dieser Maßnahme betroffen. 

Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von Coffra. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er Coffra. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die Coffra heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.