Definition einer Führungsholding

Grundsatzentscheidung des obersten Verwaltungsgerichtshofes

Der Begriff der Führungsholding („Holding animatrice“) wird in unterschiedlichen Bereichen des Steuerrechts benutzt und ist von entscheidender Bedeutung, u.a. für den Eintritt von Steuervergünstigungen. So reduziert sich z.B. die Steuerbemessungsgrundlage bei Schenkungen / Erbschaften, soweit dies im Rahmen eines „Pacte Dutreil“ vorgenommen wird, um 75%. Damit jedoch ein solcher „Pacte“ errichtet werden kann, ist es für bestimmte Übertragungsvorgänge, z.B. bei der Schenkung von Holdinganteilen erforderlich, dass es sich um eine „echte“ Führungsholding („Holding animatrice“) handelt.

Die Definition der „Holding animatrice“ ist damit von großer Wichtigkeit, die in der höchstrichterlichen Rechtsprechung des Kassationsgerichts nicht immer eindeutig erfolgte. Der oberste Verwaltungsgerichtshof legte in seiner Plenarsitzung vom 13. Juni 2018 einige Kriterien zugrunde, bei deren Vorliegen von einer Führungsholding ausgegangen werden kann. Danach ist für eine Führungsholding notwendig, dass ihre Hauptaktivität über die reine Verwaltung des Beteiligungsportfolios hinausgehend in einer aktiven Beteiligung an der Gestaltung der Geschäftspolitik und der Kontrolle der Tochtergesellschaften besteht. 

Im vorliegenden Sachverhalt gehörte hierzu auch die Bereitstellung von spezifischen Dienstleistungen administrativer, juristischer, buchhalterischer, finanz- und gebäudetechnischer Art. Soweit eine Holding in dieser Weise ihre Beteiligung führt, ist sie, laut dem Urteil des „Conseil d’Etat“ als eine Gesellschaft mit einer kommerziellen Aktivität im Sinne von Art. 150-0 D bis, II-2°-b des Steuergesetzbuches („CGI“) zu betrachten. 

Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von Coffra. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er Coffra. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die Coffra heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.