Verkauf des Hauptwohnsitzes nach Wegzug

Verlust der Steuerbefreiung
Anhängiges Verfahren vor dem Verfassungsgericht

Der Verkauf der Hauptwohnsitzimmobilie eines französischen Steuerpflichtigen ist steuerfrei, wohingegen die Veräußerung der französischen Wohnimmobilie eines Steuerausländers nach Abzug eines Freibetrages von maximal 150.000 € zu versteuern ist. Die steuerliche Sonderbehandlung der Hauptwohnsitzimmobilie entfällt, wenn der Eigentümer zum Zeitpunkt des Verkaufes seinen bisherigen Hauptwohnsitz in dieser Immobilie aufgegeben (z.B. Wegzug) hat. Die Versteuerung des Verkaufserlöses (Buchgewinn) erfolgt auch dann, wenn zwischen dem Verkauf und der Aufgabe des Hauptwohnsitzes nur eine kurze Zeitspanne liegt, die üblicherweise notwendig ist, um einen solchen Immobilienvorgang abzuwickeln.

Durch Urteil des obersten Verwaltungsgerichtes („Conseil d’Etat“) vom 28. Juli 2017 wurde nunmehr die verfassungsmäßige Vereinbarkeit dieser Bestimmung im Hinblick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz angezweifelt und das französische Verfassungsgericht zu dieser Frage angerufen.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das Oberverwaltungsgericht („CAA“) Paris mit Urteil vom 2. Februar 2016 zu einem anderen Ergebnis kam. Danach konnte der Verkäufer weiterhin die privilegierte Hauptwohnsitzregelung in Anspruch nehmen, obwohl er zum Zeitpunkt des effektiven Verkaufs nicht mehr seinen Hauptwohnsitz in der veräußerten Immobilie innehatte. Das Gericht kam zu dieser Gesetzesanwendung, weil der Verkäufer alle erforderlichen Vorkehrungen, die für einen reibungslosen, zeitnahen Veräußerungsablauf notwendig waren, eingeleitet hatte.

Für die Praxis ist hieraus abzuleiten, dass nach der derzeitigen Rechtslage der steuerfreie Verkauf einer Immobilie nur möglich ist, wenn sie den Hauptwohnsitz des Verkäufers zum Zeitpunkt des Verkaufes betrifft. Der Verkauf sollte deshalb, immer vor Aufgabe des Hauptwohnsitzes erfolgen. Dies gilt insbesondere für den Fall eines Wegzuges aus Frankreich.

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Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von Coffra. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er Coffra. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die Coffra heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.