Die Form der Geschäftsführung in den französischen Börsenunternehmen des „CAC 40“

Die Funktion des „Président Directeur Général“ („PDG“) wird weiterhin bevorzugt

Die angekündigte Nichternennung der seit 2016 amtierenden Generaldirektorin Isabelle Kocher von Engie, einem börsennotierten Energiekonzern mit 140.000 Mitarbeitern, zum „PDG“ nach dem Ausscheiden des augenblicklichen Präsidenten Mestrallet hat einiges Erstaunen ausgelöst. Sie soll zum Anlass genommen werden, die derzeitige Form der Geschäftsführung in den französischen Börsenunternehmen des „CAC 40“ darzulegen. Das französische Aktiengesetz unterscheidet zwei verschiedene Typen von Aktiengesellschaften („SA“).

• Monistische SA

Bei dieser Form wird die Gesellschaft durch einen Verwaltungsrat („Conseil d’Administration“) geleitet, der für die Durchführung der Geschäftsausübung einen Generaldirektor („Directeur Général“) ernennt. Der Präsident des Verwaltungsrates kann gleichzeitig die Funktion des Generaldirektors ausüben und wird damit zum „PDG“.

• Dualistische „SA“ (sogenanntes deutsches Modell)

Hier wird die Geschäftsführung durch einen Vorstand („Directoire“) bestehend aus einigen Mitgliedern („membres du directoire“) wahrgenommen. Parallel dazu besteht ein Aufsichtsrat („Conseil de Surveillance“), der im Wesentlichen den Vorstand ernennt und kontrolliert. Diese Form findet bisher nur mäßigen Anklang bei den Börsenunternehmen.

Bei der monistischen „SA“ ist die Trennung der Funktion des Präsidenten von der des Generaldirektors immer noch die Minderheit, jedoch mit steigender Tendenz. Von den Unternehmen des „CAC 40“ waren es in 2013 20%, mittlerweile sind es 30%, die diese Geschäftsführungsform praktizieren.

Die Diskussionen, welche der beiden Formen eine effizientere Leitung der Aktiengesellschaft gewährleistet, halten an; sicherlich entspricht die „PDG“-Position mehr dem französischen Führungsstil als die Trennung der Funktion des Präsidenten von der des Generaldirektors. Es gibt keine einheitliche Linie in dieser Frage.

In der Vergangenheit kam es gelegentlich bei der Fusion von zwei gleichrangigen Unternehmen zunächst zu einer Aufspaltung der beiden Funktionen, die jedoch nach einer Übergangszeit wieder zusammengelegt wurden. Ähnliche Konstellationen waren auch beim Ausscheiden aus der operativen Führung von erfolgreichen Unternehmensführern festzustellen. Hier wurde die reine Präsidentenrolle zunächst noch von dem zurückgetretenen PDG weiterausgeübt, um sie dem neuen Generaldirektor zu einem späteren Zeitpunkt zu übertragen.

Das Institut der französischen Verwaltungsräte („IFA“) hat die Debatte um die Rolle des nichtoperativ tätigen Präsidenten wieder angefacht. Es fordert, den Übergang vom ehemaligen „PDG“ auf einen Präsidenten „non exécutif“ zu verbieten. Soweit also eine personelle Trennung zwischen beiden Positionen in einer Aktiengesellschaft bestünde, die durchaus sinnvoll erscheint, müssten laut „IFA“ die Aufgaben des Präsidenten durch die Unternehmensregeln klar festgelegt sein.

Die „CAC-40“-Unternehmen haben derzeitig folgende Geschäftsführungsform gewählt: 23 Gesellschaften werden von einem „PDG“ geführt, 12 davon von einem „Nur-Präsidenten“ und fünf von einem Vorstand mit Aufsichtsrat. Der „PDG“ ist also weiterhin repräsentativ für die Führungsposition in der französischen Großindustrie.

Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von Coffra. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er Coffra. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die Coffra heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.