Aufspaltung der Gesellschaftsanteile an einer Grundstücksgesellschaft

Nutzung der Verluste durch den Nießbrauchberechtigten

Die Anteile an einer Gesellschaft können in „nacktes Eigentum“ („nue propriété“) und Nießbrauchrecht („usufruit“) aufgespalten werden. Nach Art. 8, al. 1 des Steuergesetzbuches („CGI“) unterliegt ein Nießbrauchberechtigter einer Immobiliengesellschaft („SCI“) hinsichtlich des Gewinnanteils, der ihm aufgrund seines Nießbrauchrechtes zusteht, der Einkommensteuer.

Wie steht es jedoch mit der Aufteilung der Verluste der „SCI“ unter den Gesellschaftern?

Im vorliegenden Sachverhalt gründete ein Ehepaar zusammen mit seinen Kindern eine „SCI“ mit 40 Gesellschaftsanteilen: Dabei wurden von ihnen 20 Anteile im Volleigentum und 20 als Nießbrauchrecht übernommen. Die Kinder erhielten das nackte Eigentumsrecht an 20 Anteilen.

Die „SCI“ machte in 2009 und 2010 Verluste, die zu 100% von dem Ehepaar übernommen und mit Erträgen aus anderen Immobilieneinkünften verrechnet wurden. Die Finanzverwaltung verweigerte die Verlustkompensation mit der Begründung, dass dies nur dem nackten Eigentümer in seiner Eigenschaft als Gesellschafter zustünde. Diese Auffassung wurde vom Berufungsgericht bestätigt.

Der oberste Verwaltungsgerichtshof („Conseil d’Etat“), Urteil vom 8. November 2017, hob die Entscheidung auf. Nach Auffassung des „Conseil d’Etat“ konnte der Nießbrauchberechtigte, der ja mit seinem Anteil am Gewinn der „SCI“ der Besteuerung unterlag, auch den auf ihn entfallenden Verlust der Gesellschaft mit anderen Immobilienerträgen verrechnen.

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Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von Coffra. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er Coffra. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die Coffra heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.