Editorial: Positive Erwartungen für Frankreich in 2018

Das Jahr 2017 endete wirtschaftlich mit einem starken Finish. Das statistische Bundesamt („Insée“) erhöhte die Wachstumsaussichten für das abgelaufene Jahr nochmals und hob sie nunmehr auf 1,9% des BIP an.

Die Dynamik der letzten Monate soll zumindest auch im ersten Halbjahr 2018 anhalten. Für das gesamte kommende Jahr ist ein Anstieg von 1,8% geplant. Die politische Lage in Frankreich ist Ende 2017 recht ausgeglichen, allgemein optimistisch, und es wird mit einem gewissen Vertrauen in die Zukunft geblickt. In erster Linie ist dies auf die klare Führung durch Präsident Macron zurückzuführen. Wie er Mitte Dezember 2017 in einem Fernsehinterview, das im Rahmen eines Rundganges durch den Élysées-Palast stattfand, erklärte, habe er bisher nur das umgesetzt, was er auch in seinem Wahlkampf angekündigt habe. In der Tat, Emmanuel Macron hat seit Regierungsantritt – und zwar unverzüglich – ein Reformvorhaben nach dem anderen wie versprochen in seiner ihm eigenen Art angepackt und bis zur gesetzlich verbindlichen Umsetzung persönlich vorwärtsgetrieben. Nichts wurde dem Zufall überlassen, nie wurde aus populistischen Gründen die Grundrichtung aufgegeben. Diese Vorgehensweise ist nicht spurlos an der Popularitätskurve des Präsidenten vorbeigegangen. Eine anfänglich starke Abneigung wandelte sich bis Mitte Dezember ins Gegenteil; mehr als 50% aller Franzosen bejahen nunmehr die Aktionen des Staatschefs. Dabei spielte aber auch das Ausland eine wichtige Rolle. Mit Erstaunen wurde dort das bisher für reformunfähig gehaltene Frankreich wahrgenommen und überraschend schnell wieder als interessantes Investitionsland eingestuft.

Präsident Macron ist nicht nur ein Reformer des gesamten innenpolitischen Spektrums, sondern auch ein Außenpolitiker, der das in Europa, aber auch in der ganzen Welt bestehende Vakuum an herausragenden Persönlichkeiten auszufüllen wusste. Durch seine überzeugende Auftrittsweise und seine klaren, teilweise visionären Positionen zu wichtigen welt- und europapolitischen Themen hat Frankreich wieder seinen ihm zustehenden Platz zurückgewonnen. Dies half nicht unwesentlich, seine Anerkennungsquote im Inland zu erhöhen und wird seine Kredibilität für die weiteren ausstehenden Transformationen stärken.

In 2018 wird der zweite Teil der Arbeitsrechtsreform, der die grundlegende Modifikation der beruflichen Ausbildungs- und Fortbildungsbestimmungen sowie die der problematischen, äußerst großzügigen Arbeitslosenversicherung beinhaltet, in Angriff genommen. Es wird wieder in vielen Arbeitsgruppen mit den Vertretern der unterschiedlichsten Berufsbereiche diskutiert, vorgetragen, abgeändert und dann, sobald ein breiter Konsens erreicht wird, das Ganze in Gesetzesform gebracht werden. Das gesamte Vorhaben soll im ersten Halbjahr 2018 abgeschlossen sein. Die positiven Auswirkungen dieser gewaltigen Transformationen, die sich nicht sofort in Zahlen ausdrücken, werden mittelfristig den starren französischen Arbeitsmarkt verändern. Präsident Macron hat deshalb auch die bisherige monatliche Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen aufgegeben; sein nächstes Etappenziel hierzu ist Mitte 2019.

Ein anderes, wichtiges Vorhaben der Regierung in 2018 wird unter der Leitung von Wirtschaftsminister Le Maire vorbereitet: Die richtige Funktionsweise eines Unternehmens steht auf dem Prüfstand: Gründung, internationale Entwicklung, finanzielle Ausgestaltung, Übertragung etc. Dazu gehören aber auch Themen eines gerechten Ausgleichs zwischen der Vergütung des Kapitals und der Arbeitskraft, wie die der Neugestaltung der bestehenden gesetzlichen Arbeitnehmergewinnbeteiligung einschließlich ihrer steuerlichen Behandlung. Ein weites Feld, ein Großprojekt, an dem vier Minister zusammenarbeiten. Bruno Le Maire hat, um eine große Außenwirkung und Teilnahme vieler Interessenten zu erreichen, ab Mitte Januar 2018 eine öffentliche Befragung zu diesem Themenkreis über eine Internetplattform angekündigt.

Aber noch ist nicht alles rosig. In den bisherigen Ankündigungen von Emmanuel Macron ist leider ein Plan für eine kurzfristige Verringerung der hohen öffentlichen Ausgaben zu vermissen.

In 2018 wird sich die staatliche Ausgabenquote im Verhältnis zum BIP auf 54% belaufen – eine der höchsten in der EU – und damit in absoluten Zahlen wiederum ansteigen, wie dies auch für 2017 anzunehmen ist.

Zusammen mit einem Haushaltsdefizit, das nur mit Brachialgewalt auf 2,9% zurückgefahren wurde, ergibt sich im Ergebnis daraus nur eine Beibehaltung des gigantischen Schuldenstandes von Frankreich. Er beläuft sich Ende des dritten Quartals 2017 auf ca. 2.230 Mrd. € oder 98,1% des BIP. Hier tickt eine gefährliche Zeitbombe, die sich bei tendenziell steigenden Zinsen schnell entladen könnte.

Aber bleiben wir positiv in unserer Erwartungshaltung für 2018. Es bestehen hierzu nämlich berechtigte Gründe, die sich aus einem sehr günstigen internationalen Wirtschaftsumfeld, aber insbesondere aus einer gewissenhaften, professionellen Geschäftsführung des französischen Staates ergeben.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Unternehmen für 2018 viel Erfolg, eine positive Einstellung, aber auch etwas Spaß bei ihren Geschäften in und mit Frankreich.

Ihre DiagnosticNews-Redaktion

Dr. Kurt Schlotthauer
kschlotthauer(at)coffra.fr

Geschrieben von

Dr. Kurt Schlotthauer ist der Gründer und CEO von Coffra. Seit 1972 engagiert er sich im deutsch-französischen Geschäftsumfeld. 1985 gründetet er Coffra. Zusammen mit über 140 Mitarbeitern betreut die Coffra heute mehr als 650 Unternehmen weltweit.